Mitarbeiter von B. Braun haben Stammzellen an Leukämiekranke gespendet

B.-Braun-Mitarbeiter spenden Stammzellen: Zehn Leben aus der Tüte

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Urkunde für Lebensretter: Agnes Schneider (Zweite von rechts) und Dr. Bernadette Tillmanns-Estorf von B.Braun mit den Spendern  Harald Herwig, Astrid Osterloh, Alexander Scheuch und Matthias Schürholz (von links) aus.

Melsungen. Heldentaten vollbringt man nicht nebenbei, zwischen Sessel und Fernseher. So dachte Alexander Scheuch, bis er am 15. Juni vergangenen Jahres im Sessel eines Krankenhauses selbst zum Helden wurde.

Der Mitarbeiter von B.Braun hat, wie neun seiner Kollegen, Stammzellen an Leukämiekranke gespendet. Sie wurden jetzt von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) mit einer Urkunde geehrt: „Wir sind Ihnen und Ihrem Unternehmen dankbar“, sagte Agnes Schneider von der DKMS.

Es begann mit einem Piks. B. Braun Melsungen rief seine Mitarbeiter zweimal zur Typisierung auf, 1994 und 2007. 1200 Beschäftigte folgten dem Aufruf. So auch Alexander Scheuch und seine Kollegen. Sie ließen sich fünf Milliliter Blut abnehmen und wurden in die Spenderdatei aufgenommen.

Drei Jahre später wurde aus einer Nummer in der Spenderdatei ein Lebensretter. „Es musste ganz schnell gehen“, erinnert sich der heute 23-Jährige. In einem Brief schrieb die DKMS, dass Scheuch als potenzieller Spender in Frage käme. Der junge Mann aus Wollrode ließ sich ein zweites Mal Blut abnehmen, seine Zellen sendet der Arzt ins Labor, wo sie mit denen des Fremden verglichen werden. Schließlich die Nachricht: Der Fremde ist ein genetische Zwilling Scheuchs.

Am 15. Juni 2010 spendet Alexander Scheuch Stammzellen. Er liegt auf einem Sessel in einem Dresdner Krankenhaus und schaut einen Spielfilm. In seinen Armen stecken zwei Nadeln. Neben dem Sessel hängt ein Gerät, das die Stammzellen aus seinem Blut wäscht. Zuvor hat sich Scheuch fünf Tage lang ein Mittel unter die Haut gespritzt, das die Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut ausschwemmt. Das macht eine Entnahme von Knochenmark in den meisten Fällen überflüssig.

An jenem Tag im Juni fühlt sich Alexander Scheuch nicht so, als hätte er ein Leben gerettet: „Die Tüte mit der Spende wurde zusammengeschweißt und abgeschnitten“, erinnert er sich. Für ihn und die Ärzte sei der Aufwand klein gewesen, so klein, dass er sich nicht vorstellen konnte, wie groß die Tat für jemand anderen ist. Noch im Krankenhaus erfährt Scheuch, dass ein Mitarbeiter der DKMS die Spende in einem tiefgekühlten Koffer in die Vereinigten Staaten bringen würde. Ein 41-jähriger warte schon auf sie.

Wenige Wochen später bekommt Alexander Scheuch wieder Post. „Dear Donor“, schreibt der Mann, dem er ein Leben gespendet hat, „Lieber Spender.“ Es sind nur wenige Zeilen, die die DKMS anonym verschickt hat, doch sie bedeuten dem Spender viel. Der 41-Jährige, irgendwo aus Amerika, sagt Danke. Es gehe ihm gut, er habe erst vor kurzem geheiratet.

Zehn Tüten mit Leben, allesamt von B.Braun-Mitarbeitern, haben in den vergangenen Jahren Menschen geholfen, die todkrank sind.

Quelle: HNA

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