Martin Teuber kontrolliert Messpunkte-Netz an der Körler ICE-Brücke

Gigantisches Bauwerk: Vermessungsingenieur Martin Teuber prüfte gestern, ob sich die ICE-Brücke bei Unterempfershausen seit ihrem Baujahr 1988 eventuell auch nur einen Zehntelmillimeter verschoben hat. Unser Bild zeigt den Rodgauer bei der Installation eines Satellitenempfängers auf einem Kontrollmesspunkt. Foto: Grugel

Körle. Orange gekleidete Vermessungsingenieure mit Koffern voller High-Tech-Gerät gehören zum Bild jeder Großbaustelle. Zurzeit achten die Vermesser beispielsweise in Melsungen beim Bau des Haltepunkts Bartenwetzer peinlich genau auf einen passgenauen Tunnelbau von der Vorstadt zum Huberg.

Schon bald wird man sie mit ihren Stativen beim Ausbau der Autobahn 49 in Treysa und anderen Orten entlang der vorgesehen Trasse sehen. Weniger bekannt als solche Vermessungen bei laufenden Bauvorhaben sind Prüfmessungen bestehender Bauwerke wie gestern in Körle. Dort bahnte sich auf einer durchnässten Wiese unterhalb der ICE-Brücke bei Empfershausen Vermessungsingenieur Martin Teuber einen Weg zum Brückennetz, den Messkontrollpunkten des Bauwerks von 1988. Einen halben Tag prüfte der Rodgauer, ob sich die 70 Meter hohe und 870 Meter lange Schnellbahn-Brücke bei Unterempfershausen seit ihrem Bau verschoben hat - und zwar nicht auf den Millimeter, sondern auf den Zehntelmillimeter genau.

Dass dazu Handwerkszeug wie Zollstock und Wasserwaage nicht ausreicht, ist schon angesichts des riesigen Bauwerks schnell klar. Gleichwohl hat auch Martin Teuber eine Wasserwaage im Gepäck. Mit der installiert er einen Satelliten-Empfänger auf einer mehrere Meter tief gegründeten Kontrollstelle: Die Betonsäule bildet zusammen mit weiteren Messpunkten wie etlichen Stahlbolzen in den Brückenpfeilern ein weit verzweigtes Kontrollnetz mit feststehenden Positionspunkten – und erst wenn alle Punkte exakt wie in den Bauplänen vermerkt zueinander entfernt sind, hat sich zumindest nach den elektronischen Daten nichts am Tragwerk verschoben.

Je nach Bauwerk gehen die Vermesser unterschiedlich zu Werke. Tunnelbauten der Schnellbantrasse werden beispielsweise auch per Laser vermessen, berichtet Martin Teuber. Bei der Körler ICE-Brücke kam gestern das Global Positioning System (GPS) zum Einsatz. Dabei liefern Satelliten-Empfänger an den Kontrollpunkten die Positionsdaten zum Ausmessen des Brückennetzes.

Ob es irgendwelche Verschiebungen wie etwa Senkungen oder Hebungen von Brückenpfeilern an der ICE-Brücke gegeben hat, wird Martin Teuber vom Rodgauer Vermessungsbüro Riemenschneider erst Mitte nächster Woche wissen – erst dann werden die Daten ausgewertet sein, kündigte der Ingenieur an.

Sollte sich bei der Auswertung herausstellen, dass sich die Schnellbahnbrücke in den vergangenen Jahren irgendwo in eine der Himmelsrichtungen verschoben hat, wäre das so ungewöhnlich wie bedenklich.

Von Lorenz Grugel

Quelle: HNA

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