Zeit für neue Schuhe - Risiken und Trends beim Kauf

Hans-Heinrich Siebert prüft bei Marcus Sieczkarek, ob der Schuh auch wirklich passt. Foto: Hohagen

Schwalm-Eder. Wenn der Frühling da ist, wollen sich viele Menschen neue Schuhe zulegen und ihre Winterschuhe durch Halbschuhe oder Sneaker ersetzen. „März, April ist eine absolute Boomzeit, was den Schuhkauf betrifft“, bestätigt Gunter Gibhardt vom gleichnamigen Melsunger Schuhhaus.

Dass man dabei offenbar aber eine Menge verkehrt machen kann, fand das Deutsche Schuhinstitut (DSI) vergangenes Jahr mit einer Studie heraus. Über 80 Prozent der Deutschen liefen der Studie zufolge - 10 000 Füße wurden untersucht - mit unpassendem meist zu großem Schuhwerk durch die Gegend. Um das Bewusstsein für gesundheitliche Risiken nicht passender Schuhe zu stärken, haben Hersteller und Händler die Initiative „Passender Schuh“ gegründet und in diesem Zusammenhang jüngst unter anderem ein Aufklärungsbuch herausgegeben. Was Schuh- und Gesundheitsexperten aus der Region über passende Schuhe und aktuelle Trends wissen, erzählten sie der HNA.

Einer, der an der Initiative Passender Schuh beteiligt ist, ist Orthopädie-Schuhmachermeister Hans-Heinrich Siebert. Mit seinem Melsunger Schuhgeschäft gehört er dem Kompetenzkreis Gesunde Schuhe an.

„Der Schuh beeinflusst den ganzen Körper“, macht er auf die gesundheitliche Bedeutung aufmerksam. Wie das DSI weist er auf langfristige gesundheitliche Folgen unpassender Schuhe hin. Quetschungen, Stauchungen, Fußdeformationen, Knorpelschäden und Schwellungen könnten die Folge sein, ganz zu schweigen von Gelenkschäden am gesamten Bewegungsapparat.

Ganz so dramatisch sieht das der Melsunger Orthopäde Dr. Bernd Kleinwächter nicht. Die meisten Probleme am Fuß hätten andere Ursachen als unpassende Schuhe. „Wenn ein Schuh drückt, läuft man sich eine Blase und zieht ihn dann nicht mehr an - bis zu einem Knorpelschaden kommt es da nicht“. Schäden seien eher am Bewegungsaparrat zu befürchten. Knie- und Rückenschmerzen können langfristige Folgen falschen Schuhwerks zum Beispiel mit zu dünner Sohle oder schlechter Federung sein.

Darauf weist auch der Physiotherapeut Lars Theis aus Schwalmstadt hin. „Ein großer Teil der Probleme unserer Patienten an Knie und Rücken lassen sich auf schlechtes, also qualitativ minderwertiges Schuhwerk zurückführen.“ Stimme die Fußstatik nicht, sei immer der gesamte Bewegungsapparat betroffen.

Wo Frauen noch immer häufig auf die Optik achten und dafür bereit sind, unbequeme Schuhe zu tragen, steht für Männer die Bequemlichkeit und ein gut passender Schuh im Vordergrund. Da sind sich die Melsunger Schuhverkäufer Hans-Heinrich Siebert und Gunter Gibhardt einig. Ähnliche Beobachtungen macht auch Laima Keßler, Leiterin einer Fritzlarer Deichmann-Filiale. „Den Männern ist das oft egal, ob der Schuh nun braun oder schwarz ist und wenn Frauen ein bestimmter Schuh gefällt, wollen sie ihn manchmal auch dann kaufen, wenn er eigentlich nicht passt.“

Dass 80 Prozent angeblich nicht passende Schuhe tragen, findet Gibhardt etwas hochgegriffen. Die Menschen seien wohl eher in Großstädten befragt worden, wo viele Schuhe im Großhandel ohne Beratung kauften. Er selbst hat die Erfahrung gemacht, dass das Bewusstsein für einen qualitativ hochwertigen Schuh gestiegen ist und die Kunden sich sehr wohl auch beraten lassen und einen passenden Schuh finden wollen. „Die Kunden geben heute mehr Geld als noch vor einigen Jahren für unsere Schuhe aus und setzen auf höhere Qualität“, sagt auch Laima Keßler.

Siebert erlebt es immer mal wieder, dass Kunden auf ihren Schuhgrößen beharren, obwohl sich ihre Füße im Laufe der Zeit verändert haben - Beratungsresistenz erlebe er aber nicht. Schwierig sei es hin und wieder aber mit Jugendlichen, so Gibhardt. Die legten meist sehr viel Wert auf modische Trends und zögen diese häufig einem passenden Schuh vor.

Quelle: HNA

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