Jonas Köpsel (20) aus Oberaula hat ein halbes Jahr Zivildienst in Jerusalem gemacht

Im Zentrum des Konflikts

Lebte ein halbes Jahr im Nahen Osten: Jonas Köpsel aus Oberaula ist gerade aus Jerusalem zurück gekehrt, wo er in einem Zentrum Kinder und Jugendliche betreut hat. Foto: Rose

Oberaula. Das Bild eines brennenden Polizisten wird Jonas Köpsel nie vergessen. Auch nicht die vielen Kinder, die nach dem Freitagsgebet Steine warfen. Der 20-jährige Oberaulaer war ein halbes Jahr lang in Jerusalem. Organisiert vom Zentrum für Freiwilligen-, Friedens- und Zivildienst in Kassel hat der junge Mann dort seinen Zivildienst geleistet. Von Oktober bis April arbeitete Jonas Köpsel im Madaa Center in Silwan.

Die Eindrücke aus dem Nahen Osten sind noch frisch: „Ich informiere mich täglich im Internet über den Konflikt in der Stadt“, erzählt Köpsel. Dabei war schon das Ankommen im Land schwierig. Denn trotz des anerkannten Trägers erhielt der 20-Jährige kein Jahresvisum. Ihm blieb nichts übrig als ein Touristenvisum, mit dem er über Jordanien wieder aus- und einreiste. Seine Eltern in Oberaula nahmen den Plan ihres Sohnes, nach Israel zu gehen, mit gemischten Gefühlen auf: „Mein Vater hat mich voll unterstützt, meine Mutter hat sich eher Sorgen gemacht“, erzählt der junge Mann. Dass die Sorgen nicht unberechtigt waren, wurde Jonas Köpsel schnell klar. In Silwan leben 55  000 Menschen. „Vor 30 Jahren war der Vorort noch komplett palästinensisch – heute sind mehr als 400 jüdische Siedler dort“, erklärt er. In der Stadt gibt es nur wenige Freizeiteinrichtungen, gerade einmal drei Schulen. So spielt sich das Leben überwiegend auf den Straßen ab. Den Konflikt zwischen Siedlern und Palästinensern tragen deshalb längst nicht mehr nur die Erwachsenen unter sich aus. „Schon die Kinder sind sehr von der Stimmung geprägt“, sagt der 20-Jährige. Angst, Verzweiflung und Wut sind allgegenwärtig.

Beschäftigung für 400 Kinder

Die palästinensische Organisation „Madaa“ – übersetzt Horizont – betreut im gleichnamigen Center um die 400 Kinder. Beschäftigt werden sie in Theaterprojekten, beim Malen, Tanzen und Computerspielen. „Schwierig war die Sprache: Ich hatte zwar schon vorher ein wenig arabisch gelernt, aber das reichte nicht aus“, erzählt Jonas Köpsel. Wie stark die Kinder der Alltag belastet, wurde in einem Journalismus-Projekt klar: „Beim Sammeln der Themen war einer der Vorschläge 10 Jahre Siedlergewalt und Hausabrisse“, verdeutlicht der Oberaulaer.

Untergebracht war Köpsel in einer WG in der Altstadt. Die Konflikte hat er hautnah miterlebt. Ein Brandsatz, der einen Einsatzwagen der Polizei in Flammen aufgehen ließ, das Bild des brennenden Menschen – „das hat mich sehr mitgenommen“. Trotzdem sei der Kulturschock nötig gewesen: „Ich kann jetzt nachvollziehen, in welch grausamer Realität die Menschen leben“, sagt er. Jonas Köpsel will Soziologie studieren. Und später wieder nach Israel gehen.

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Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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