Der Pilot Hans Hufnagel: Heinz Lemanzick fand Überreste von dessen Flugzeug

Zeugnisse eines Schicksals

Überreste: Heinz Lemanzick, von rechts, und sein Enkel Benedikt Söhngen übergaben die Trümmerteile an Frank Höhne, Vorsitzender des Görzhainer Heimatvereins.

Görzhain. Am Heiligabend 1944 tobte über der Region ein schwerer Luftkampf, 18 Flugzeuge, darunter 16 deutsche und zwei amerikanische, wurden abgeschossen. Die Überreste eines der deutschen Flugzeuge fand jetzt Heinz Lemanzick in der Nähe von Görzhain. Der Oberaulaer ist mit Genehmigung des Landesamts für Denkmalpflege als Sondengänger unterwegs.

Bei Görzhain hatte er ein Metallteil mit dem Schriftzug „Fahrwerk ein/Fahrwerk aus“ gefunden, erzählt der 60-Jährige, der oft mit seinem elfjährigen Enkel Benedikt Söhngen mit dem Metalldetektor unterwegs ist. Das ließ ihn weiter aktiv werden. Und er fand weiteres: Leuchtspurmunition, Tragflächenteile, Benzinleitungen, Zubehör der Armaturen. Teilweise schimmern die Metallteile grün. Für Lemanzick ein Zeichen, dass dass sie ausgeglüht sind, also brennend zu Boden fielen.

Diese Trümmer sind Zeugnisse eines Schicksals. Der Görzhainer Heinrich Bierwirth erinnert sich noch an den 24. Dezember 1944. Damals war er acht Jahre alt, beobachten konnte er nur wenig, angesichts der Luftschlacht am Himmel brachten Passanten sich schnellstens in Sicherheit. Es sei ein sonniger Tag gewesen, Schnee lag noch keiner, die Kämpfe fanden am Nachmittag statt. Ähnlich beschreibt es Rudolph Konrad aus Hombergshausen in seinem Buch „Flieger über Schwalm und Eder“, Chronik des Luftkrieges von 1942 bis 1945.

2000 Bomber mit 800 Begleitjägern setzten die Amerikaner an diesem Tag ein, um in Deutschland Verkehrsverbindungen und Flugplätze anzugreifen. Das war die bis dahin größte von den Amerikanern eingeflogene Luftmacht. Insgesamt 2000 Bomber waren eingesetzt, sie warfen 5000 Tonnen Bomben ab. Ein Teil der Bomber hatte Gießen als Ziel. Eine Fighter-Gruppe sollte den Luftraum für die Bomber freikämpfen. Sie trafen im Raum Schwarzenborn auf die schwergepanzerten Maschinen der Jäger der Reichsluftverteidigung. Es kam zum erbitterten Kampf, bei dem die schweren Flugzeuge der Deutschen hoffnungslos unterlagen.

Einer der jungen Flieger war Hans Hufnagel. Sein Flugzeug stürzte im Wald südlich von Görzhain ab. Der 21-jährige Unteroffizier konnte sein brennendes Flugzeug zwar noch verlassen, aber wegen der geringen Höhe löste sich sein Fallschirm nicht mehr rechtzeitig. Der junge Pilot schlug etwa 500 Meter neben seinem Flugzeug auf und war sofort tot.

Der Heilige Abend 1944 war ein Schicksalstag für die Familie Hufnagel aus Konstanz am Bodensee: Zwei Stunden bevor der junge Unteroffizier abstürzte, war sein Bruder in Holland schwer verwundet worden. Hans Hufnagel wurde auf dem Friedhof in Görzhain begraben. Heinz Lemanzick geht davon aus, dass er die Überreste von dessen Flugzeug gefunden hat. Er übergab sie an den Heimatverein Görzhain. Der will die Teile in Ehren halten, versichert Vorsitzender Frank Höhne.

Denkbar sei, sie künftig in einer Vitrine im Dorfgemeinschaftshaus aufzubewahren.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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