Tiere fressen Gestrüpp im Landschaftsschutzgebiet 

200 Ziegen pflegen den Burgberg rund um die Felsburg

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Mit den Ziegen auf Du und Du: Ekkehard Rogee, links, mit Bock Julius und der Ziege Lieselotte. Über den Einsatz freuen sich Burgwart Erich Majeske, seine Frau Gisela, die stellvertretende Bugwartin, und Arbeitswart Erik Herzog.

Felsberg. Ziegen als Landschaftspfleger: Ein besonderes Naturschauspiel ist derzeit rund um die 1000-jährige Felsburg zu sehen. 200 Ziegen von Ekkehard Rogee sind im Landschaftsschutzgebiet unterwegs. Sie fressen Gestrüpp und Wildwuchs auf.

Eine Arbeit, die der Burgverein mit seinen jährlich über 1500 Arbeitsstunden nicht leisten kann an den Klippen und felsigen Steilhängen. Zum dritten Mal innerhalb von sechs Jahren hat die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen den Ziegen-Einsatz organisiert. Früher kamen die Tiere vom Ziegenzuchtverein Niedervorschütz.

Naturverbunden

Der 56-jährige Ekkehard Rogee aus Netra im Ringgau ist Förster. Seit 20 Jahren hält und züchtet er Ziegen - sein Hobby, in dem der naturverbundene Mensch aufgeht. Bunte Deutsche Edelziegen, die Burenziege, die Thüringer Waldziege und die französische Rasse Rove gehören zu seiner Herde. Daraus züchtet Rogee auch die so genannte Gebrauchskreuzung für die Landschaftspflege. Brennnesseln und Brombeeren sowie weitere Sträucher sind eine Delikatesse für seine Ziegen, verrät der Fachmann. Liguster und Flieder dagegen mögen sie gar nicht, Gras finden sie eher uninteressant, erklärt der Eigentümer. Von der Kartause unterhalb des Heiligenberges zog die Herde auf die Felsburg. Von hier aus geht es voraussichtlich schon am Wochenende ins Naturschutzgebiet Geschellenberg bei Hilgershausen. Dann werden die fleißigen Gärtner in der Nähe des Windparks der Familie Göbel für Ordnung in der Natur sorgen.

Bis April im Stall 

Die Ziegen gehören zum Weideprojekt „Ringgauer Ziegenfeuerwehr”. Sie beweiden unter anderem Kalkmagerrasen in Nordhessen. Nur von November bis Ende April sind die Tiere im Stall. „Die Felsburg ist ideal für die Ziegen”, sagt Rogee.

Erik Herzog, seit vielen Jahren Vorsitzender des Arbeitskreises des Burgvereins, freut sich über die Ziegenherde: „Ein herrlicher Einklang zwischen Mensch und Natur. Wir sind glücklich, dass uns die Ziegen bei unserer Burgpflege unterstützen.” Mit dem Vorstand des Vereins hofft Herzog, dass die Ziegen nun jedes Jahr kommen.

Im Vorjahr gab es immer wieder besorgte Felsberger, die beim Vereinsvorstand anriefen. Sie hatten Angst, dass die auf den Klippen herumspringenden Ziegen abstürzen. Ekkehard Rogee gibt Entwarnung: „Ziegen stammen aus dem Hochgebirge, sie stürzen nicht ab."

Bis zu zwölf Jahre alt: Daten und Fakten über Ziegen

Ziegen werden als kostengünstige und ökologische Alternative zur Grünpflege eingesetzt. Hier einige Fakten zu den Tieren, die zu der Gattung der Hornträger gehören.

Ein bis zwei Lämmer bringt eine Ziege pro Jahr zur Welt. Die Tiere werden bis zu zwölf Jahre alt.

Vier bis acht Tage brauchen die Ziegen im Durchschnitt, um einen Hektar Gestrüpp „abzugrasen“.

30 oder noch mehr Familien in Felsberg hatten nach dem Krieg Ziegen, schätzt HNA-Leser Werner Fenge. Früher gab es neben dem heutigen Ernst-Schaake-Bad einen Ziegenbockstall. Die Böcke wurden von dem aus dem Sudetenland geflüchteten Wenzel Bäumel und seiner Frau betreut.

50 Prozent der Nahrung von Ziegen besteht aus Gehölzen, Schafe ernähren sich zu zehn Prozent von Gehölzen und zu 90 Prozent von Gras.

100 Kilometer und mehr legt die Ziegenherde von Ekkehard Rogee im Jahr in ganz Nordhessen zurück.

Quelle: HNA

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