Verbesserung der Wohnqualität in der historischen Wasserfestung

Anliegern platzt der Kragen

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Wie steht‘s mit Tempo 30?: Das fragen sich von links Erika Auffarth, Karl-Heinz Reidt und Margret Reidt. Sie unterstützen die Kampagne, die im vorigen Sommer gestartet wurde.

Ziegenhain. Die meisten haben sich an die Tempo-30-Transparente entlang der Landgraf-Philipp-Straße in Ziegenhain gewöhnt. Seit vorigem Sommer fordern eine Reihe von Anliegern, Forum Ziegenhain und Arbeitskreis Festung, dass Fahrzeuge dort langsamer fahren müssen.

Geht es nach den Anliegern, sollen die bis zu 10.000 Fahrzeuge, die täglich auf der Achse quer durch die historische Wasserfestung unterwegs sind, 20 Stundenkilometer langsamer fahren. Spürbares ist seither nicht geschehen, vielmehr ist die Lage nach dem Empfinden einiger Festungsbewohner schlechter geworden.

Ganz erbost ist das Ehepaar Reidt, dessen Haus auf dem Eckgrundstück Großer Wallgraben/Festungsstraße in Höhe des Bronzesoldaten steht. Die Fassade ist stark verunreinigt von schmutzigem Schneematsch. „Das ist das Werk von Rasern“, sagt Margret Reidt. Wie auch ihr Mann Karl-Heinz hat sie das Gefühl, dass seit der Verengung der Fahrbahn in Höhe ihres Hauses alles noch nachteiliger für sie geworden ist, der Verkehr ihnen noch dichter auf die Pelle rückt. Nur Tempokontrollen könnten den Festungsanliegern helfen, damit wenigsten die 50 Stundenkilometer eingehalten würden. Die Geschwindigkeitsanzeigetafel in der Festungsstraße finden sie falsch platziert, weil sie in Fahrtrichtung Schafhof erst nach dem Passieren von Festung und der Engstelle am Wallgraben installiert ist.

Genauso sieht das etwa Nachbarin Erika Auffarth, Anliegerin am Großen Wallgraben, und ist sicher, für viele zu sprechen. Sie findet es unzumutbar, dass man zu manchen Tageszeiten als Fußgänger kaum über die Straße komme.

„Sauerei“: Margret Reidt ärgert sich über die Matschspritzer an ihrem Haus.

„Die direkten Anwohner kann ich gut verstehen“, sagte im Gespräch mit der HNA Ortsvorsteher Karsten Schenk. Der Ortsbeirat habe sich im alten Jahr mit dem Thema befasst und fordere als machbare und aussichtsreiche Erleichterung zunächst die Einrichtung eines Überweges im Bereich zwischen Schloss-Apotheke und Rosengarten. Die rechtlichen Grundlagen für eine Tempo-30-Zone seien nicht gegeben, als nächstes müsse Ziegenhain ein Verkehrskonzept bekommen.

Eine Tempo-30-Zone, die immer mit einer Rechts-vor-links-Regelung einher gehe, komme für die Festung nicht in Betracht, sagte Bürgermeister Dr. Gerald Näser. Hauptgrund: 80 Prozent der Verkehrsteilnehmer nutzen die Verbindung als Durchgangsstraße, der Anliegerverkehr macht nur den Rest aus. Außerdem sei durch eine mehrtägige Zählung im Oktober 2011 belegt, dass die allermeisten Fahrer sich an das geltende Tempolimit halten beziehungsweise Tempo 50 unterschreiten.

Auch für Näser ist der nächste Schritt die Schaffung eines Fußgängerüberwegs. Dazu sei eine gewisse Kreativität vonnöten, um einen Bedarf etwa seitens des Publikumsverkehrs im Museum nachzuweisen, Fachbegriff: erhöhter Querungsbedarf. Das sei eine Möglichkeit, die Durchschnittsgeschwindigkeit weiter zu senken. Wenn der Ortsbeirat dies wolle, könne er durchaus erneut beraten und weitere Vorschläge machen. Gut abzuwägen seien aber nicht nur die Anliegerwünsche, sondern auch die der Allgemeinheit.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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