Tiere im Einsatz

Vierbeiner im Knast: So arbeiten Spürhunde hinter Gittern

Gut gemacht: Hündin Benta hat eben bei einer Übung in der Kaffeekanne im Bildhintergrund Crystal Meth gefunden. Zur Belohnung bekommt sie von Diensthundeführer Michael Vietor ihren Ball. Foto: Braun

Ziegenhain. Aufgrund ihres Geruchssinns und Spielbetriebs werden Hunde von der Justiz als Spürhunde in Gefängnissen eingesetzt. Diensthundeführer Michael Vietor zeigte bei einem Termin in der JVA Ziegenhain, wie er mit seinen Hündinnen arbeitet.

Noch sitzt sie brav neben ihrem Herrchen, doch langsam wird Benta ungeduldig. Die fünfjährige Schäferhündin harrt aus im Eingang eines kargen Raums in der JVA Ziegenhain und wartet auf ein Signal von Michael Vietor.

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Der schickt sie dann endlich los und Benta wetzt durch den Raum, bis sie findet, was niemand finden sollte: Ein kleines Päckchen der Droge Crystal Meth, versteckt in einer Kaffekanne. Dass gerade nur eine Übung stattfindet, weiß Benta wahrscheinlich nicht, ist ihr aber egal: Mit der Nase nach oben gerichtet, deutet sie ganz still auf die Kanne, bis Vietor sie erlöst - und ihr als Belohnung endlich den Spielball gibt.

Ständig unterwegs

Benta ist einer von sechs Spürhunden, die in den hessischen Gefängnissen für die Drogensuche eingesetzt werden. Sie gehört, genau wie die zweijährige Hündin Louise, zu Vietor, einem von vier Diensthundeführern in Hessen. „Für die Hunde ist das Gefängnis jeden Tag ein Spielplatz. Aus der Umgebung machen sie sich nichts, Hauptsache sie können spielen“, erklärt er.

Vietor ist Diensthundeführer und Herrchen in einer Person, abends nimmt er die beiden immer mit nach Hause. Die Nähe zwischen Hunden und Herrchen ist bemerkenswert und wichtiger Teil der Arbeit. Nur weil Vietor seinen guten Umgang mit Hunden nachweisen konnte, setzte er sich im Bewerbungsverfahren beim Justizministerium in Wiesbaden gegen andere Bewerber durch.

Er und seine beiden Hündinnen suchen im Wechsel in vier Justizvollzugsanstalten in Nordhessen nach den gängigsten Rauschmitteln. Vietor beobachtet den Hund, wo er hinläuft und schickt ihn dann in die Ecken, in denen er noch nicht geschnüffelt hat.

Ziegenhain ist die Heimdienststelle des Teams. Hier suchen sie regelmäßig Besucher nach Drogen ab. „Da ist der Hund unverzichtbar. Er findet die Drogen und dient vor allem zur Abschreckung“, sagt Sicherheitsdienstleiter Lothar Ditter. Die Hunde können die Drogen bis zu einer Höhe von 3,50 Meter riechen. Je aufwendiger die Drogen verpackt sind und je dichter der Stoff gepresst, desto schwieriger wird es für sie.

Ausgebildet werden die Vierbeiner in dreieinhalbmonatigen Kursen auf der Diensthundeschule. Die Ausbildung ist immer gleich, egal ob die Hunde Drogen oder Handys aufspüren sollen. Besonders geeignet als Spürhunde sind Belgische Schäferhunde: „Die Tiere müssen friedlich und gesund sein und einen sehr ausgeprägten Spieltrieb haben“, erklärt der Hundeführer.

Die wollen nur spielen

Denn der Hund jagt nur fürs Spielzeug. Immer wenn er etwas findet, bekommt er zur Belohnung einen kleinen Ball. „Mit Futter geht das nur bedingt, irgendwann ist das Tier ja satt“, sagt Vietor. Wenn der Hund etwas riecht, verharrt er, bis Herrchen ihm ein Signal gibt und anschließend belohnt. Das Suchen ist für die Tiere anstrengend. „Ein Arbeitstag ist für den Hund so, wie ein Marathon für den Menschen. Der ist dann total ausgepowert“, sagt Vietor. Deshalb sind Auszeiten wichtig, 30 Minuten arbeiten, 30 Minuten Pause, zum Beispiel. Doch so sehr den Hunden die Arbeit Spaß bereitet, ihre Lebenszeit verkürzt sich dadurch. Sie altern schneller.

Aber Benta und Louise können gar nicht anders, als zu spielen: „Wenn die Hunde nach einem Tag Pause nicht aktiv sein können, werden sie unruhig“, sagt Vietor. Dabei schaut Louise, wie fast ständig, zu ihm auf. Sie scheint ihren Alltag zu genießen.

Quelle: HNA

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