Bereits 1539 gab es eine Einladung in die Schwalm

Von Ziegenhain in die Welt: Landgraf wollte Reformation retten

Von historischer Bedeutung: Im Ziegenhainer Schloss, heute das Gefängnis, wurde 1539 die Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung zur Einführung der Konfirmation verabschiedet. Foto: Grede

Wenn am Sonntag nach Ostern und den darauf folgenden Sonntagen in den evangelischen Gemeinden die Konfirmationsfeiern gehalten werden, dann wissen oft die wenigsten Menschen, welche Bedeutung gerade Ziegenhain für dieses besondere Fest hat.

Denn tatsächlich ist die Schwalm das Ursprungsland der Konfirmation. Der Brauch wurde durch die Verabschiedung der Ziegenhainer Zuchtordnung von 1539 zunächst in der Schwalm eingeführt und dann später von den übrigen deutschen und europäischen Ländern übernommen.

Hintergrund: Insbesondere den Wiedertäufern waren die die Anfangserfolge der Reformation noch zu gering erschienen. In den innerlich noch nicht gefestigten jungen reformierten Gemeinden stifteten sie gar manche Verwirrung. Um den Bestand der hessischen Landeskirche nicht zu gefährden, entschloss sich Landgraf Philipp 1536 zu einem „Mandat wider die Wiedertäufer“. Als aber alle Bekehrungsversuche an den Wiedertäufern misslangen, entschloss sich der Landgraf, den um die hessische Reformation verdienten Martin Bucer aus Straßburg zu einer Aussprache mit den Wiedertäufern einzuladen.

Förderung für Kinder

Im Laufe dieser Aussprache gab Bucer den Forderungen der Wiedertäufer Raum, insbesondere in der Frage, dass „keine Gemeinde ohne Zucht bestehen könne, dass die Kinder, wenn sie erwachsen sind, gefördert werden müssten und dass zukünftig der christliche Haushalt besser zu bestellen sei“. Diese Zusagen, die für die Wiedertäufer die Voraussetzung für den Widerruf waren, setzte Bucer auch in der im Ziegenhainer Schloss abgehaltenen Synode in die Tat um. An der Abfassung der Kirchenzuchtordnung nahmen die landesfürstlichen Räte, Gesandte der Städte und vor allem Hessens herausragende Theologen teil.

Von dem Urdruck der Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung existieren zwei Exemplare: eines in der vatikanischen Bibliothek in Rom und das zweite im Marburger Staatsarchiv. Schriftlich belegt ist der christliche Brauch erst ab dem Jahr 1585: Seitdem gibt es Konfirmandenverzeichnisse. (syg)

Quelle: Heinrich Credé, Schwälmer Jahrbuch 1989

Quelle: HNA

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