Sie ziehen die Strippen: Hinter den Kulissen der Puppenbühne Wernswig

Wernswig. Sie sehen ihr Publikum nicht und sie werden nicht gesehen. Doch vor jeder Vorstellung haben sie Lampenfieber und nach jedem Auftritt gibt es viel Applaus für die Frauen, die bei der Puppenbühne Wernswig die Fäden in der Hand halten.

Sie lassen Dornröschen, den Prinzen und den Küchenjungen an dünnen Fäden tanzen. Wir haben die Puppenspielerinnen bei der Arbeit besucht. Noch 15 Minuten, dann müssen die sechs Frauen wieder hinter der Bühne die Strippen ziehen. Während sich der Zuschauerraum füllt, sitzen sie in einem kleinen Aufenthaltsraum. Trinken etwas, reden miteinander. Gleich ist es soweit, dann muss jeder Handgriff sitzen.

Zwei Meter über der Bühne

Etwa zwei Meter über der Bühne überprüfen die Frauen noch ein letztes Mal ihre Figuren. Aus dem Zuschauerraum dringen Kinderstimmen nach oben. Und ab und zu huschen ein paar Kinderschuhe auf dem Fußboden vor der Bühne vorbei. Mehr erleben die Frauen nicht von ihrem Publikum.

„Es ist faszinierend, wenn wir die Puppen zum Leben erwecken.“

Dann ertönt die Musik und der Auftritt der Königseltern steht an. Angelehnt an ein Holzgeländer beugen sich die Spielerinnen vor und lassen ihre Figuren von oben einschweben. Doch davon bekommen die Zuschauer nichts mit. Sie sehen die Figuren von der Seite in die Szene hinein laufen - mehr sollen sie auch nicht sehen.

Wer glaubt, dass die Puppenspielerinnen bei jeder Vorführung auch gleich noch den Figuren ihre Stimmen leihen, der irrt. „Die Texte kommen vom Band. Wir haben sie schon vorher aufgesprochen und lassen sie über einen Computer erklingen“, sagt Stefan Kunz. Er steuert die Technik.

Kunz hat bereits über 100 Figuren für die unterschiedlichen Aufführungen gebaut. Er weiß, dass das Spiel mit den Marionetten sehr anstrengend ist und die volle Konzentration der Spielerinnen erfordert.

Geschick und Gefühl braucht man, um die Figuren zu bewegen. „Das ist nicht einfach. Eine Puppenspielerin braucht ein gutes halbes Jahr, bis die Bewegungen sitzen“, sagt Kunz.

Lange Bühnenerfahrung

Die meisten der Darstellerinnen in Wernswig haben bereits mehr als zehn Jahre Bühnenerfahrung. Sie wissen genau, welche Fäden sie ziehen und wie sie das Holzkreuz drehen müssen.

Immer wieder so scheint es, wiederholen sie die Bewegungen: da werden die Holzkreuze nach links und gleich drauf wieder nach rechts gehalten. Da wird an den Fäden gezupft oder leicht mit dem Zeigefinger an ihnen gezogen. Wie Dirigenten geben die Puppenspielerinnen so - ohne ein Wort zu sagen - den Ton an.

Plötzlich wird es für einen Moment hektisch. Einer Fee muss ein neuer Hut aufgesetzt werden. Und beim Prinzen haben sich die Fußfäden über die Handfäden gelegt. Das muss schnell vor seinem nächsten Auftritt entwirrt werden. „Kein großes Problem“, sagt Gitta Bartl.

Service:

Aufführungstermine jeweils um 15 und 17 Uhr. 14., 15., 21., 22., 29. Januar. 4., 5., 11., 12., 18. und 19. Februar. Abendveranstaltung: 25. Februar, 20 Uhr (nur für Erwachsene). Eintritt: Kinder 3 Euro, Erwachsene 4,50 Euro. Karten: Christiane Kunz, Telefon: 05684/8249 (nur Vorbestellung). www.puppenbuehnewernswig.de

Tatsächlich. Schon funktioniert der Prinz wieder. Nichts, was die Puppenspielerinnen wirklich aus der Ruhe bringen könnte. Sie funktionieren und das in jeder Aufführung. „Bevor wir das Stück auf die Bühne gebracht haben, haben wir es 23 Mal geprobt“, weiß Christiane Kunz. Sie weiß auch, dass das Spiel manchmal schmerzt. „Wenn man die ganze Zeit nach unten gebeugt steht, dann geht das in den Rücken, die Schulten und den Nacken“, sagt sie leise und greift wieder zu ihrer Figur, um sie von oben zum Seiteneingang gleiten zu lassen und dann auf die Bühne zu führen. Immer wieder hört man die Reaktionen der Kinder. Sie wollen dem Prinzen helfen und geben ihm Tipps und es gibt Szenenapplaus. Das gefällt den Spielerinnen. Kaum merklich lächeln sie, bevor sie wieder konzentriert nach unten blicken und die Puppen auf der Bühne tanzen lassen.

Vor zehn Jahren entstand in Wernswig die Idee zu einem Marionettentheater. Seitdem wurden etwa 300 Aufführungen gezeigt, die von rund 12.000 Besuchern gesehen wurden. Die Puppenbühne Wernswig präsentiert diesmal Dornröschen.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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