Wolfgang Käding trat mit 44 Mitstreitern beim Schachturnier an

Ziehen, wandern, denken: Schachturnier in Bad Zwesten

Wolfgang Käding trat mit 44 Mitstreitern beim Schachturnier an

Bad Zwesten. Wolfgang Käding trat jetzt in Bad Zwesten mit 44 Mitstreitern beim Schachturnier an. Wir haben ihn dabei beobachtet.

Wolfgang Käding ist hochkonzentriert. Seinen Kopf hat er auf die rechte Hand gestützt, die Kieferknochen arbeiten sichtbar unter dem Dreitagebart. Er atmet tief durch die Nase ein, dann zieht er seinen Bauern. „Das ist die Skandinavische Eröffnung“, flüstert der 64-Jährige aus Korbach. Für die nächsten zwei Stunden herrscht jetzt Stille am Schachbrett.

Wolfgang Käding spielt wie sein 63-jähriger Gegner, Peter Neve, schon seit Jahrzehnten Schach. Der ist extra aus Holland angereist, um an dem 15. Schachfestival im Kurhaus Bad Zwesten teilzunehmen. Insgesamt 45 Teilnehmer aller Alterklassen spielen seit Montag in acht Runden den Sieger aus. An diesem Donnerstag ist Runde sieben. „Ich habe bisher Glück gehabt und spiele über meinem Niveau. So kann es eigentlich nicht weitergehen“, sagt Käding vor dem Spiel – er sollte Recht behalten. Käding belegt laut Ranking in Bad Zwesten Platz 30.

Sein holländischer Gegner ist auf Platz 16 gelistet. Die ersten Züge verlaufen ausgeglichen. Beide verlieren einen Bauern und einen Läufer. Der Ablauf ist dabei immer gleich: Wolfgang Käding in seiner blauen Fleecejacke denkt lange nach, zieht Luft durch die Nase ein, lässt die Kieferknochen arbeiten. Dann zieht er. Er wirk angespannt. Sein Gegner aus Holland ist schneller. Er zieht, steht auf, wandert im Raum umher und guckt bei anderen Spielern auf das Schachbrett. So machen es auch viele andere Spieler an diesem Tag. Sie denken, ziehen und wandern umher.

„Bisher ist im Spiel noch alles offen“, verrät Peter Neve nach einer Stunde auf einer seiner Wanderungen. Käding gehört nicht zu den Wanderern. Er zieht nach einer Stunde seine Fleecejacke aus. Dann schlägt er mit seinem Pferd die Dame von Neve, dem früheren Pilot der holländischen Luftwaffe. Während des Spiels schauen sich die beiden Gegner kaum an. Nur Neve schaut ein, zwei Mal auf. Ahnt er etwas? Aufgabe nach zwei Stunden Nach einer Stunde und 50 Minuten macht Käding einen Fehler. Neve steht mit seinem Turm vor dem Pferd von Käding.

„Jetzt werden wir doch schneller fertig“, sagt der Korbacher. Dann geht alles sehr schnell. Nach über zwei Stunden gibt der der Lehrer für Englisch und Französisch schließlich auf. „Es hat keinen Sinn mehr, das ist jetzt wie ein langsames Sterben, sagt Käding. Er gibt Peter Neve die Hand. „Aber wir mögen uns trotzdem“, sagt Käding lachend.

Von Max Holscher

Quelle: HNA

Kommentare