Ehemaliger Gewichtheber holte Gold in 1964

Zierenberger Goldmedaillengewinner drückt Deutschen bei Olympia die Daumen

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Freut sich auf die Olympischen Spiele: Rudolf Pflugfelder wird in den kommenden Wochen die meiste Zeit vorm Fernseher verbringen und die Olympischen Spiele in Rio verfolgen. Er selbst gewann 1964 in Tokio eine Goldmedaille als Gewichtheber.

Zierenberg. Wenn am Wochenende die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro beginnen, wird Rudolf Pflugfelder nicht live dabei sein, doch er wird vorm Fernseher sitzen und mitfiebern.

Erinnerung: Das Foto zeigt Rudolf Pflugfelder bei einem Wettbewerb in Russland. Damals war er etwa 30 Jahre alt. Noch immer trainiert er das Gewichtheben.

„Ich gucke unbedingt", sagt er. „Das ist doch mein Beruf." 1964 holte Pflugfelder die Goldmedaille als Gewichtheber bei den Spielen in Tokio. „Er wird den ganzenTag schauen, bis in die Nacht, und dann regt er sich immer auf“, sagt seine Frau Valentina und lacht. Die Wettkämpfe in beinahe allen Sportarten will der 88-jährige Pflugfelder sehen, allen voran die der Gewichtheber. „Die Technik im deutschen Team ist besser geworden“, sagt er. Wie gut sie aber wirklich seien, könne er nicht abschätzen. Er wird jedenfalls fest die Daumen drücken.

37 Jahre alt war Pflugfelder, als er selbst bei Olympia antrat. „Das ist eine große Sache“, sagt er. Mit zwei anderen Sportkollegen war er damals in einem Zimmer im olympischen Dorf untergebracht. Auch die japanische Hauptstadt haben sie sich damals angesehen, erinnert er sich. „Die Leute waren wirklich sehr freundlich“, sagt er. Doch im Mittelpunkt stand für ihn der Wettkampf. „Vorher habe ich mir gesagt: Ich muss Olympiasieger werden, und dann habe ich es geschafft.“ 142 Kilo habe er gerissen, 182 Kilo gestoßen. Die Medaille liegt heute sicher verwahrt in einem Bankschließfach.

Noch als 65-Jähriger war er 1992 in Oxford Seniorenmeister geworden, 115 Kilo habe er damals noch gerissen, erinnert er sich.

Viele Autogrammwünsche 

Seinen Erfolg habe er allein seinem Training zu verdanken gehabt, betont der 88-Jährige. „Ich habe niemals gedopt, nicht einmal eine Kopfschmerztablette genommen.“ Dass so viele russische Sportler unter Dopingverdacht stehen, empört ihn. „Die müssen sofort damit aufhören, das sind doch alles Profis“, sagt der Zierenberger.

Rudolf Pflugfelder selbst hat nicht nur Erfolge als Aktiver eingefahren, sondern auch als Trainer. „Ich habe fünf Olympiasieger gemacht“, sagt er stolz. In Gewichtheber-Kreisen ist er bekannt wie ein bunter Hund, noch immer, so sagt er, kommen jede Woche mehrere Briefe mit Autogrammwünschen, erst kürzlich wurde in einer Stadt in Sibirien eine Straße nach ihm benannt. Doch nicht jeder erkenne seine Kenntnisse und Fähigkeiten an, berichtet er enttäuscht. So wäre er gern einer der Trainer der deutschen Nationalmannschaft geworden, doch niemand habe ihn gefragt. Mittlerweile ist er dafür zu alt.

Sport macht er dennoch auch weiterhin. Zwei bis drei Mal in der Woche geht er in den Schuppen im Garten, den er zu einem kleinen Trainingsstudio umgebaut hat, und drückt Gewichte. 80 bis 90 Kilo schafft er noch immer, sagt er. Auch Joggen und Kniebeugen machen stehen auf dem Trainingsprogramm. Nächsten Monat wird er 89 Jahre alt, doch das hält ihn nicht vom Sportmachen ab. „Ich werde noch so lange Sport machen, wie die Beine funktionieren“, sagt er und lacht.

Die Erfolge

Die Liste der Erfolge von Rudolf Pflugfelder ist lang, Höhepunkt seiner Karriere war der Sieg bei Olympiade in Tokio im Jahr 1964. Zuvor war der Gewichtheber unter anderem 1959 Weltmeister in Warschau geworden, 1961 Weltmeister in Wien sowie Vize-Weltmeister und -Europameister 1963 in Stockholm. Mehrfach wurde er in den 50er- und 60er-Jahren außerdem UdSSR-Meister.

Zur Person 

Rudolf Pflugfelder kommt gebürtig aus Nowo-Orlow in der Ukraine, seine Familie ist aber schwäbischer Abstammung. Seit 1991 lebt er mit seiner Familie in Zierenberg. Pflugfelder ist seit 66 Jahren mit seiner Frau Valentina verheiratet. Das Paar hat drei Töchter.

Quelle: HNA

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