Wildpflanzen statt Mais

Zierenberger möchte alternative Biomasse zur Gasgewinnung heranziehen

Hier wächst alles bunt durcheinander: Wildpflanzen können laut dem Projekt „Lebensraum Feldflur“ eine gute Alternative bei der Gewinnung von Biomasse sein. Foto: privat

Zierenberg. Es sind verstörende Bilder. Tierkadaver, bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, liegen auf abgeernteten Maisfeldern. „Leider keine Seltenheit bei der Einbringung von Mais mit großen Erntemaschinen“, sagt Joachim Wadsack.

Der 74-jährige Zierenberger ist Sprecher des Netzwerkes „Lebensraum Feldflur“, das sich zum Ziel gesetzt hat, Wildpflanzen als Alternative zu Mais als Grundstoff bei der Gewinnung von Biogas zu etablieren.

Ein vorrangiger Maisanbau führt laut Wadsack zu monotonen Fruchtfolgen und massiven Nachteilen für die biologische Vielfalt. „Es gibt Gegenden in Deutschland, da wird nichts anderes angebaut als Mais. Das sieht auch einfach nicht schön aus“, sagt er.

Vier Vorteile des Wildpflanenanbaus listet Wadsack auf:

• Weniger Wildschäden: Der Pflanzenstand ist im Gegensatz zu Mais nicht attraktiv für Wildschweine.

• Weniger Erosion: Durch den mehrjährigen Anbauzyklus wird der Bestand nicht in jedem Jahr komplett abgeerntet. Die Wildpflanzen sollen auf geringer Höhe abgeschnitten werden, was ausreicht, um Erosionsschäden vorzubeugen.

• Größere Artenvielfalt: Der Blütenstand bietet Lebensraum für viele Arten von Insekten, Spinnen und anderen Kleinsttieren. Auch nach der Ernte bleiben genug Pflanzen, die Niederwild, wie Feldhasen oder Rebhühner Winterdeckung bieten.

• Weniger Dünger: Pflanzenschutzmittel wie Pestizide oder Herbizide kommen beim Anbau von Wildpflanzen nicht zum Einsatz. „Da würden wir uns ja selbst den Bestand zerstören“, sagt Joachim Wadsack.

Stichtag: 1. Januar 2012

Joachim Wadsack, Sprecher des Netzwerkes „Lebensraum Feldflur“. Foto: Deppe

Den 26 Biogasanlagen im Wolfhager Land hat Wadsack das Projekt angeboten. Lediglich eine Antwort hat er bekommen. Wundern kann das nicht: Besonders relevant ist eine Alternative nur für solche Biogasanlagen, die nach dem 1. Januar 2012 in Betrieb genommen wurden. Sie sind gesetzlich dazu verpflichtet, für bis zu 60 Prozent der Biomasse Mais zu nutzen. Für die restlichen 40 Prozent müssen andere Materialien zum Einsatz kommen, bisher meist Zuckerrübenschnitzel oder Wintergetreide. Alle Biogasanlagen im Altkreis sind vor diesem Stichtag errichtet worden.

Auch eine wirtschaftlich interessante Alternative sind die Wildpflanzen bisher nicht. Zwar liegt der Verkaufspreis mit acht Cent pro Kilo zwei Cent über dem für Mais, die Erträge sind jedoch rund ein Drittel geringer. „Die Wirtschaftlichkeit liegt im Moment etwa bei 80 Prozent im Vergleich zum Mais“, sagt Wadsack.

In seinem Garten hat sich Joachim Wadsack ein kleines Beet mit Wildpflanzen angelegt. Dort ist zwar bisher noch nicht viel zu sehen, „im Sommer würden die Pflanzen mit ihrer Blütenvielfalt aber jede Landschaft verschönern“, sagt er.

Quelle: HNA

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