Landwirte und Industrie protestieren gegen EU-Vorschlag, die Quoten abzuschaffen

Zuckermarkt ist umkämpft: Landwirte und Industrie protestieren gegen EU-Vorschlag

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Derzeit werden täglich 6700 Tonnen Zuckerrüben in der Fabrik in Wabern verarbeitet.

Schwalm-Eder. Trotz der Rekordernte bereitet ein Vorschlag der EU-Kommission den Rübenbauern und der Zuckerindustrie mächtig Bauchschmerzen.

Im Minutentakt fahren Landwirte ihre Zuckerrüben auf das Werksgelände der Waberner Zuckerfabrik. „Die Ernte 2011 ist sehr gut ausgefallen“, sagt Friedhelm Schneider, Präsident des Hessischen Bauernverbandes. Doch die EU denkt darüber nach, die Zuckermarktordnung 2015 auslaufen zu lassen und somit die Zuckerquoten abzuschaffen.

Derzeit versorgt sich Europa zu 85 Prozent mit Ernährungszucker aus eigenem Anbau. Das regelt die EU-Quote. Demnach dürfen nur 15 Prozent des benötigten Zuckers aus Brasilien oder anderen zuckerexportierenden Ländern gedeckt werden.

Durch den Wegfall der Quote befürchten sowohl Landwirte als auch die Industrie stark schwankende Preise auf dem Weltmarkt. Daraus könnte eine europaweite Zuckerknappheit entstehen, weil der Rübenanbau für viele Landwirte nicht mehr lukrativ wäre. Dies könne wiederum katastrophale Auswirkung für den Standort Wabern haben.

„Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie wichtig ein ausreichender Selbstversorgungsgrad in einer globalisierten Welt ist“, sagt Schneider. Der Anbau von Rüben und deren Verarbeitung am Standort Wabern seien nicht nur ein wirtschaftlicher Faktor für die Region. Auch im Hinblick auf die Energie- und Ökobilanz sei eine weitgehende Selbstversorgung wichtig.

Um auch künftig stabile Preise für Verbraucher und Produzenten gewährleisten zu können, planen Zuckerindustrie und Bauerenverbände eine europaweite Allianz. „Unsere Anbauverbände wollen Gespräche mit der EU-Kommission und dem EU-Parlament führen“, sagt Georg Koch, Vorsitzender des Verbandes der Zuckerrübenanbauer Kassel. Deshalb fordern Landwirte und Industrie die EU-Zuckerpolitik bis 2020 zu erhalten.

Von Alia Shuhaiber

Quelle: HNA

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