Züchter empört: Vergiftung des Wanderfalken in Breuna wirft Fragen auf

Eine Haustaube wie Emma, hier in der Hand von Natascha Terjung, haben Unbekannte als Lockvogel für den Falken missbraucht. Emma wurde von einer Katze so schwer verletzt, dass sie nicht mehr fliegen kann. Sie lebt in der Notstation der Breunaer Brieftaubenzüchter. Foto: Ricken

Wolfhager Land. „Nein, so etwas geht einfach nicht. Das ist in keinster Weise hinzunehmen“, verurteilt Klaus Kühntopp die Vergiftung des Wanderfalken in Breuna. Der Redakteur der Verbandszeitschrift „Die Brieftaube“ aus Essen distanziert sich im Namen der Brieftaubenzüchter von der Tat.

Am 31. Mai hatte ein Vogelkundler einen Wanderfalken mit einer Haustaube in den Fängen an der Autobahn A 44 zwischen Breuna und Rhöda tot aufgefunden. Nach einer toxikologischen Untersuchung stand fest: Unbekannte hatten auf das Gefieder der Taube das Pflanzenschutzmittel E 605 aufgetragen (die HNA berichtete).

Über die Motive kann Kühntopp nur spekulieren. Vielleicht wollte jemand seinen Tierbestand vor natürlichen Feinden schützen. Vielleicht seien aber auch Tierquäler am Werk gewesen.

Die Vergiftung wirft viele Fragen auch. Auch die, woher der Unbekannte das giftige E 605 hatte. Im Jahr 2002 ist die Zulassung parathionhaltiger Pflanzenschutzmittel wie „E 605 forte“ nämlich ausgelaufen. Seitdem ist der Verkauf und die Anwendung dieses Mittels verboten. Bis dahin war es bei Gartenfreunden und Landwirten weit verbreitet, erklärt Helmut Bangert, Außenstellenleiter der Raiffeisen-Warenzentrale in Wolfhagen.

Das Produkt sei im Vergleich relativ preiswert gewesen. Auch eignete es sich für ein weites Anwendungsfeld und zeichnete sich durch kurze Wartezeiten aus: Vom Aufbringen des Mittels bis zum gefahrlosen Verzehr der Ernte waren es rund 14 Tage. Bei anderen Mitteln vergingen zwischen drei und vier Wochen.

Auch Raiffeisen in Wolfhagen verkaufte das flüssige E 605 forte. An Landwirte, nicht an Privatpersonen. Einliter- und Fünfliterkanister gingen über die Ladentheke. Bis 2002. Seitdem steht E 605 nicht mehr in der Produktliste.

Von Anke Laumann

Quelle: HNA

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