Mitarbeiter der Bauaufsicht kontrollieren Zelte und Karussells

Pferdemarkt in Fritzlar: Zuerst kommen die Prüfer

Fritzlar. Wenn Jochen Noske und Wilfried Sommer ein Festzelt betreten, stampfen sie fest auf die Bodenrampen und rütteln an den Zäunen vom Biergarten. Im Zelt schauen sie sich Schrauben und Bolzen, Notausgangsleuchten und Feuerlöscher an.

Noske und Sommer sind keine normalen Pferdemarktbesucher. Wenn das Fest beginnt, sind sie längst wieder weg. Dann ist ihre Arbeit getan. Die beiden Männer gehören zur Bauaufsicht in der Kreisverwaltung und machen in Fahrgeschäften und Partyzelten die Gebrauchsabnahme, wie es im Amtsdeutsch heißt.

Alles steht im Prüfbuch

Die Eigentümer der Attraktionen haben ein Prüfbuch, in dem alle möglichen Dokumente liegen: Bauzeichnungen, statische Berechnungen, TÜV-Zertifikate und anderes. Die Betreiber bekommen von der Verwaltung ihres Heimatortes eine Ausführungsgenehmigung, in der wiederum bestimmte Auflagen festgelegt sind.

Die Vor-Ort-Prüfung beim Fritzlarer Pferdmarkt übernehmen dann die Männer vom Kreis. Ohne ihre – gebührenpflichtige – Zustimmung läuft bei den größeren Fahrgeschäften gar nichts.

Die Schausteller kennen das Prozedere, der Rundgang ist in aller Regel reine Routine. So wie bei Bernd Nier aus Kassel, der mit seinem Karussell alle zwei Jahre in Fritzlar zu Gast ist. Schon seine Eltern seien Schausteller beim Pferdemarkt gewesen, seinerzeit noch in der Altstadt.

Eineinhalb bis zwei Tage dauerte es, bis das Starlight steht. Sechs Männer sind damit beschäftigt. Während Noske jetzt im Kassenhäuschen die Papiere prüft, sieht sich Sommer das Karussell von unten an; dort, wo kein normaler Besucher hinkommt.

Er lässt das Geschäfte ein paarmal fahren, prüft die Standfestigkeit und ist zufrieden. Alles in Ordnung, nichts zu bemängeln. Gerade bei den ganz großen Fahrattraktionen sei meistens alles okay, sagen die Prüfer aus ihrer jahrzehntelangen Erfahrung. Die Betreiber könnten es sich schlicht nicht leisten, dass ihr Karussell stillstehe.

Die Ausgaben, die die Betreiber haben, sind immens. Allein den Kaufpreis seines Fahrgeschäfts Frisbee beziffert Dennis Ruppert auf 1,4 Millionen Euro. Ähnlich teuer dürfte das alles überragende Karussell Rocket sein.

Probefahrten machen Wilfried Sommer und Jochen Noske, die Prüfer vom Kreis, üblicherweise nicht, in ihrer Freizeit setzen sie sich aber schon mal in ein Karussell. Doch auch dann schauen und hören sie genau hin. Sommer sagt: „Das kann man nicht abstellen.“

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Foto: Dellit

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