Aufnahmebereich der Forensik Merxhausen: Hier fängt alles an

Zuerst kommt Gewöhnung

Hier geht alles los: Die Ärzte Dr. Stefan Regenfuß (links) und Dr. Gerhard Kromat betreuen die neu angekommenen Patienten im Aufnahmebereich. Foto:  M. Berger

MERXHAUSEN. Hier beginnt ein neues Leben. Der Aufnahmebereich der forensischen Klinik in Merxhausen ist für alle Patienten die erste Station. Die erste Station der Therapie und damit der erste Schritt auf dem Weg in eine möglichst suchtfreie Existenz.

Hier kommen neue Patienten an, hier werden sie untersucht und begutachtet, hier lernen die Therapeuten ihre Schützlinge kennen. Und hier sind die suchtkranken Straftäter noch richtig eingesperrt. Im Hochsicherheitsbereich nämlich.

„Denn zum Zeitpunkt der Aufnahme wissen wir ja gar nicht, was da für ein Mensch vor uns steht“, sagte Stefan Regenfuß, der stellvertretender ärztlicher Direktor der Klinik und außerdem leitender Arzt des hochgesicherten Bereichs ist.

Für acht bis zwölf Wochen bleiben die Neuankömmlinge auf einer der zwei Stationen des Aufnahmebereichs. Werden, wenn nötig, entgiftet, werden körperlich, psychologisch, psychiatrisch und neurologisch untersucht und mit dem Alltag des Maßregelvollzugs vertraut gemacht. „Wir bereiten die Patienten und auch das Therapeutenteam auf das vor, was alle Beteiligten in den kommenden Jahren erwarten wird“, sagte Stationsarzt Gerhard Kromat.

Und das ist nicht gerade wenig. Immerhin müssen die Suchtkranken ihr Leben komplett umkrempeln. Alte Gewohnheiten ablegen, vertraute Pfade verlassen. Das Team aus Ärzten, Therapeuten und Pflegern hilft ihnen dabei.

Tagesablauf mit Struktur

„Wir müssen uns auf jeden Patienten individuell einstellen“, erzählte Stefan Regenfuß. „Im Gegenzug müssen die Patienten lernen, sich an einen streng strukturierten Tagesablauf zu gewöhnen.“ Und genau dafür sei die Zeit auf der Aufnahmestation gedacht. Dabei kämen die drogenabhängigen Straftäter aus ganz verschiedenen Milieus. „Die einen kommen aus dem Gefängnis und sind bereits untersucht worden, andere kommen direkt von der Straße und unter Drogeneinfluss hier an“, sagte Gerhard Kromat. „Die einen müssen zuvor entgiftet werden, andere können direkt auf die Station.“ Die umfasst insgesamt zwölf Betten in vier Einzel- und vier Doppelzimmern. „Nach Möglichkeit bringen wir die Männer aber im Doppelzimmer unter“, erklärte Gerhard Kromat. „Schließlich sollen sie resozialisiert werden.“ Und das werden die Suchtkranken hier.

„Ich fühle mich wohl in dieser Umgebung“, sagte Patient G., der etwa 50 Jahre alt ist. Seine Droge war der Alkohol. G. hat allerdings verstanden, dass die Forensische Klinik seine letzte Chance ist, einen anderen Kurs einzuschlagen. Deshalb ist er heute hier.

Nach zwei bis drei Monaten Eingewöhnungszeit werden G. und die anderen Neuankömmlinge ihren eigentlichen Gruppen zugeordnet. Dann ist der erste Schritt gemacht. Der erste Schritt in ein Leben ohne Sucht und ohne Gewalt.

Von Markus Berger

Quelle: HNA

Kommentare