Zurück in die Altarme

Das Flüsschen Wiera wird auf einer Länge von 1100 Metern naturnäher gestaltet

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Baustelle bis Mitte Oktober: Ingenieur Axel Sobirey bespricht mit Baggerfahrer Gerhard Heiße und Bauamtsleiter Alexander Inden (von links) die weiteren Schritte der Renaturierung.

Wiera. Teilbereiche der Wiera werden bald in neuen Flussbetten fließen: Gerade haben zwischen Wiera und Schwalmstadt die Arbeiten an einer naturnahen Gestaltung des Flüsschens begonnen. Ziel sei es, das Ökosystem und den Hochwasserschutz zu verbessern, teilte Bürgermeister Dr. Gerald Näser in einer Presseerklärung mit.

Die Initiative ging dabei von der Oberen Naturschutzbehörde aus, der Magistrat stimmte den Vorschlägen zu.

Dabei soll ein 1100 Meter langer Abschnitt der Wiera mithilfe neuer Betten zurück in die einstigen Altarme gelenkt werden. „Die Reduzierung der Fließgeschwindigkeit ermöglicht mehr Stauraum bei Hochwasser“, erklärt der zuständige Ingenieur Axel Sobirey.

Wehr der Horschmühle

Gearbeitet wird bis zum Herbst auch am Wehr der ehemaligen Horschmühle. Es ist ein Hindernis für Fische und andere Lebewesen. Hier soll die so genannte Längsdurchgängigkeit wieder hergestellt werden. Installiert wird eine Fischwanderhilfe, sagt Sobirey – quasi eine kleine Rampe, die durch den Einbau gröberer Steine erzielt wird.

Die Renaturierung orientiert sich an der Zielsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinien. Bis 2027 sollen ausgewiesene Gebiete in einen ökologisch guten Zustand versetzt werden. Kosten wird das Projekt 360.000 Euro. Die wasserbauliche Veränderung wird zu 80 Prozent aus dem hessischen Landesprogramm zur Förderung der Gewässerentwicklung und des Hochwasserschutzes kofinanziert. 20 Prozent der Kosten übernimmt die Obere Naturschutzbehörde. Für den Träger, die Stadt Schwalmstadt, fallen lediglich Genehmigungsgebühren an.

In ausgewiesenen FFH-Gebieten gelten bei Bauarbeiten besondere Regeln: Unterhalb der Bahnbrücke vor Wiera wird derzeit eine Fläche für Baufahrzeuge eingerichtet. „Hier wird in einem hochsensiblen Bereich gearbeitet. Deshalb darf nur mit speziell ausgestatteten Fahrzeugen gearbeitet werden“, erklärt Alexander Inden, Leiter des Stadtbauamtes. Die Fahrzeuge dürften nicht mit Diesel oder Benzin betankt werden, damit es nicht durch ein Auslaufen zu einer Gefahr für den Boden kommen kann. Eine besondere Erschwernis stelle die Baustellenzufahrt durch die Unterführung dar, so Baggerfahrer Gerhard Heiße. Auch der moorige Untergrund sei eine Herausforderung. „Wir arbeiten mit Fahrzeugen, die mit Gummiketten ausgerüstet sind. Sie haben einen niedrigen Bodendruck.“

Nach und nach soll nun die Wiera umgeleitet werden: Bevor wieder eingestaut wird, sollen Helfer – voraussichtlich Mitglieder des Angelvereins – bei der Umsetzung der Fische helfen. Bei günstiger Witterung dürften die Arbeiten bis Mitte Oktober abgeschlossen sein. „Im Bereich der Wieraaue sind in Zukunft weitere naturnahe Umgestaltungen geplant“, erklärt Sobirey.

Quelle: HNA

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