Gudensberg/Morschen

Aus maroden Gebäuden wurden Traumhäuser: Jetzt im TV zu sehen

Postkartenmotiv: Die Wenigenburg, als sie noch ein Gasthaus war.

Gudensberg/Morschen. Ein marodes Haus in ein Traumhaus verwandeln - dieser Aufgabe haben sich zwei Frauen gestellt. Jetzt sind ihre Häuser im Fernsehen zu sehen.

Es gab immer auch mal Situationen, da hätte sie fortlaufen können. Und doch waren sie sich zu jeder Sekunde sicher, dass sie die richtige Entscheidung getroffen haben. Da ging es Brigitte Zinke und ihrem bereits verstorbenen Mann Joachim ebenso wie Ursula Slavik.

Sie haben ihr Traumhaus in einem maroden, unsanierten Gemäuer gefunden. Sie haben sich für Häuser mit Geschichte entschieden. Die Zinkes in Gudensberg und Ursula Slavik in Morschen-Heina.

Die Entscheidung 

Was wird aus der Wenigenburg?“ Ein Artikel in der HNA 1979 machte das Ehepaar Zinke neugierig. Seit längerem suchten sie ein neues Zuhause, eine neue Herausforderung. Als Brigitte Zinke den langen Weg hinauf auf die Burg fuhr, wusste sie eigentlich sofort: „das ist es“. Doch die Gebäude sahen alles andere als einladend aus.

Ursula Slavik fand ihr Traumhaus ganz anders: Die gebürtige Heidelbergerin half einer Freundin, die in den Kreis gezogen war, beim Umziehen. Als sie das alte Fachwerkhaus am Ende der Straße sah, wusste sie, dass sie sich in Heina ihren Traum vom eigenen Haus erfüllen wird. Bis das Haus zu einem Traum wurde, war es allerdings ein langer Weg.

Das Gebäude 

Brigitte Zinke

Wenn man Brigitte Zinke besucht und sie bei einer Tasse Tee über die Geschichte der Wenigenburg spricht, dann begibt man sich auf eine Zeitreise. Eine Reise in die Vergangenheit - bis in das 11. Jahrhundert. Damals wurde das Ensemble hoch über Gudensberg erstmals erwähnt.

Beim Betreten des Fachwerkhauses von Ursula Slavik fällt sofort auf, dass es alt ist. Genauer gesagt stammt es aus dem Jahr 1790. Ein Scheune steht neben dem Haus, ein riesiges Gartengrundstück liegt direkt im Blickfeld, wenn man aus dem Küchenfenster blickt. Gekauft hat sie das Haus im Jahr 1991.

Der Zustand 

Heruntergekommen, total verbaut, so beschreibt Brigitte Zinke ihren ersten Eindruck von der Wenigenburg. Dabei ist die Wenigenburg das Wahrzeichen Gudensbergs. Von dort oben wachte der Türmer über Gudensberg. In den 50er Jahren war die Burg nach den damaligen Standards umgebaut worden.

Nichts erinnerte mehr an die frühere Pracht. In den Gebäuden war eine Musikschule, bis 1975 eine Gaststätte. Vier Jahre stand die Burg leer, verfiel zusehends. Brigitte Zinke und ihren Mann hat der Zustand der Burg nicht abgeschreckt, 1979 unterzeichneten sie den Kaufvertrag.

Das Haus von Ursula Slavik ist ihr Lebensprojekt, so beschreibt sie es selbst. Als sie es gekauft hat, war es marode, verbaut und verfallen. Am schlimmsten sei gewesen, dass der Vorbesitzer Vieles im Haus verbaut habe.

„Es wäre so viel einfacher gewesen, wenn es nur verfallen und nicht verbaut gewesen wäre“, sagt sie. Der Zustand sei schlecht, aber nicht ausweglos gewesen.

Die Sanierung

Brigitte Zinke erzählt auch von beschwerlichen Sanierungsarbeiten. Denn sie und ihr Mann, der Lehrer in Gudensberg war, entschieden sich als junges Paar dafür, ihr Leben auf den Kopf zu stellen und die Wenigenburg zu kaufen. „Ein Gasthaus ist es schon lange nicht mehr und auch nicht vermietet.“ Beide Häuser wurden 1979/80 saniert, das Feuerwächterhaus sogar kernsaniert. Drei Wohneinheiten entstanden darin. „Weil mein Mann nicht zusehen wollte, dass das Wahrzeichen der Stadt verfällt“, sagt sie.

Saniert hat die Schreinermeisterin das Haus komplett alleine. 23 Jahre werkelt sie bereits daran herum. Neue Fenster, Farbe, eine Zentralheizung, eine doppelte Dämmung, eine Heizung, die in der Wand liegt - sie konnte sich in ihrem Projekt vollkommen verwirklichen. Im Moment baut sie an einer zweiten Wohneinheit und an einem Wintergarten.

Das Ziel 

Die Zinkes gewannen den Frankfurter Stararchitekten Jochem Jourdan für die Umbau- und Sanierungsarbeiten. Sein Ziel: den Charakter der Burg erhalten beziehungsweise wiederherstellen und nur wenige Akzente setzen. Hell, lichtdurchflutet, modern - so stellt man sich eine Burg nicht vor. „Es ist eben nur ein wenig Burg, Wenigenburg!“, sagt Brigitte Zinke und lacht.

Das Leben ist eine Baustelle, das ist das Motto von Ursula Slavik. Sie sieht das Bauen nicht als etwas Schlechtes, sondern als kontinuierliche Weiterententwicklung. Sie plant, in ihrem 250 Quadratmeter großen Haus eine Hausgemeinschaft unterzubringen. Vier Wohneinheiten gibt es, zwei sind bereits fertig.

Das Gefühl 

Brigitte Zinke hat den Kauf der Wenigenburg nie bereut. Auch wenn die Umbauarbeiten mühsam waren, die Kosten immens. Doch hier oben sei sie „über den Dingen“ und das spüren auch ihre Patienten. Brigitte Zinke arbeitet als Psychologin, hat in den Wohnräumen der Burg ihre Praxis. Die Gudensberger seien auch froh, dass die Burg erhalten wurde, schließlich gehört der Bau zur Geschichte der Stadt. Brautpaare oder Konfirmanden lassen sich hier oben fotografieren.

Dass ihr Garten und der Platz um ihr Haus Ziel von vielen Schaulustigen, Spaziergängern und Liebespaaren ist, daran hat sich Brigitte Zinke längst gewöhnt. Warum sollen nicht auch andere die tolle Atmosphäre der Wenigenburg genießen?

Ursula Slavik lebt im Einklang mit der Natur. Sie hat kein Auto, ihr Garten ernährt sie mit allem, was sie braucht. Diese Lebensweise versucht sie auch in ihrem Haus fortzusetzen. Sie renoviert nur mit ökologischen Materialien und heizt mit selbstgehauenem Holz. Am besten findet sie das Gefühl, wenn sie einen Raum fertig gestellt hat, er eine ganz eigene Art von Charme aufweist und Freunde positive Rückmeldung geben. Sie liege aber auch gerne in der Hängematte oder spiele Klavier. So tankt sie Kraft, um weiter renovieren und ihre Ideen in die Tat umsetzen zu können.

- Beide Frauen und ihre Traumhäuser sind heute im Fernsehen zu sehen: Abenteuer Traumhaus - Wohnen zwischen Baulampen und Kronleuchtern, 20.15 Uhr, HR.

Von Maja Yüce und Leona Nieswandt

Quelle: HNA

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