Mann hatte Todesangst

Zwei Mal in Treysa überfallen: Opfer will nachts nicht mehr aus dem Haus

Treysa. Weil innerhalb von 22 Monaten zwei Mal in Treysa überfallen worden war, wandte sich ein junger Mann an die HNA. Er will seine Geschichten erzählen, die er einfach nicht vergisst. Er fühlt sich in der Stadt nicht mehr sicher und hat Angst, abends allein auf die Straße zu gehen.

Für den Mann - im Artikel möchte er anonym bleiben - ist nun nichts mehr wie vorher. Der jüngste Überfall ist ihm noch stark im Gedächtnis. Es war an einem Freitagabend. "Ich wollte mich eigentlich nur mit einer Freundin treffen", erinnert sich der junge Mann. 22.30 Uhr wartete er auf seine Bekannte an der Mainzer Brücke, als zwei Jugendliche auf ihn zukamen und ihn ansprachen. Er solle seine Jacke herausrücken. "Aus Angst habe ich sie ihnen gegeben", erzählt der junge Mann. Daraufhin bekam er einen heftigen Schlag gegen den Brustkorb. "Ich war wie erstarrt."

Neben der Jacke nahmen die jugendlichen Räuber noch das Handy des jungen Mannes mit. "Die haben zu mir gesagt, ich soll nicht so dumm gucken", erinnert er sich, "dabei habe ich doch gar nichts gemacht."

Bei dem Überfall wurde der Mann glücklicherweise nur leicht verletzt und musste nicht ins Krankenhaus. Zwei Passantinnen riefen die Polizei. Beamte griffen später die Täter auf. Es stellte sich heraus, dass die beiden 15 und 18 Jahre alt waren und an jenem Märzabend noch einen weiteren Mann überfallen hatten. Beide Opfer erstatteten Anzeige, einen Gerichtstermin gibt es noch nicht.

Während des Übergriffs überkamen ihn Erinnerungen an jenen Raub, den er Monate zuvor erleben musste. Denn im Juni 2012 wurde er schon einmal in Treysa überfallen. An jenem Samstagabend war der junge Mann mit einem Freund im Sandweg unterwegs. Kurz vor 21 Uhr sprach ein Unbekannter sie an, er forderte Geld. Der Fremde wurde aggressiv. Er sprühte dem jungen Mann eine Flüssigkeit ins Gesicht. Bei den Ermittlungen kam heraus, dass der Täter Chemikalien selbst gemischt hatte. Das Opfer konnte nichts mehr sehen, musste mit Verätzungen im Gesicht ins Krankenhaus. "Ich hatte wirklich Todesangst." Als er dem Täter zufällig nochmals begegnete, drohte ihn dieser, dass er ihn "kalt macht", falls er ihn anzeigen würde. Der Täter wurde später, auch wegen anderer Delikte, zu vier Jahren und sechs Monaten Jugendgefängnis verurteilt. Das Opfer war froh, als der Gerichtstermin vorbei war.

Wie er das alles verarbeiten soll, weiß er nicht. Der junge Mann schläft schlecht, er zieht sich zurück, hat Angst, im Dunkeln das Haus zu verlassen. In Behandlung war er deswegen noch nicht, er macht die Dinge lieber mit sich allein aus. "Wie kann man Menschen grundlos Schmerzen zufügen", fragt er sich. Er wünscht sich, dass in der Stadt mehr für die Sicherheit getan wird. Doch: "Ich lasse mich nicht unterkriegen."

Von Claudia Schittelkopp

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Quelle: HNA

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