29-Jährige gab vor dem Landgericht zu: „Ja, ich habe gezündelt“

Zweieinhalb Jahre Haft für Brandstifterin

Albshausen/Kassel. Wegen schwerer Brandstiftung an einem Fachwerkhaus in Guxhagen-Albshausen hat das Kasseler Landgericht gestern eine 29-jährige Frau zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Zugleich ordnete die Kammer die Unterbringung der Kasselerin in einer Entziehungsanstalt an. Das Gericht ging davon aus, dass die Angeklagte zur Tatzeit im September 2009 vermindert steuerungsfähig war. Dabei hatte sie mindestens 1,5 Promille Alkohol im Blut.

Die 29-Jährige gestand beim zweiten Verhandlungstermin schließlich, sowohl im Hobbyraum als auch im Treppenhaus des Fachwerkgebäudes Feuer gelegt zu haben. „Ja, ich habe hinten und vorne gezündelt“, gab sie auf bohrende Nachfragen hin zu. Zuvor hatte sie stets darauf beharrt, lediglich ihr Feuerzeug an einen Gelben Sack im Treppenhaus gehalten zu haben. Sie widerrief gestern auch ihre Aussage, der Hauseigentümer - ihr damaliger Lebensgefährte - habe bei dieser Szene zugesehen.

Die Kammer ging mit ihrem Urteil über die Strafforderung des Oberstaatsanwalts hinaus. Jürgen Müller-Brandt hatte auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren plädiert und es für vertretbar gehalten, diese zur Bewährung auszusetzen. Als Auflage sah er vor, dass die 29-Jährige sich Anfang des Jahres für mindestens sechs Monate in eine Suchttherapie begeben sollte. Die Verteidigung schloss sich an.

Das Gericht jedoch hielt die höhere Strafe für angemessen. „Dass Sie nicht wollten, dass das ganze Haus abbrennt, ist sicherlich richtig“, sagte der Vorsitzende Jürgen Stanoschek. An zwei Stellen Feuer zu legen, sei „kein Ausrutscher“, betonte er aber. Auch habe die Angeklagte keine Gartenhütte angesteckt: „Es ist ein Wohnhaus - in einer bebauten Ortslage.“

Die Tat habe sich nach hohem Alkoholkonsum und einem Streit mit dem 46jährigen Hauseigentümer ereignet, führte Stanoschek aus: Möglicherweise habe sich die Angeklagte nach Tätlichkeiten ihres Freundes an diesem rächen wollen.

Der vom Gericht hinzugezogene psychiatrische Sachverständige hatte bei der 29-Jährigen eine Alkoholabhängigkeit und eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Er wertete die Brandstiftung als Affekt-Tat in einer „kurz aufschießenden wütenden Verfassung“.

Zuvor war die Frau schon zweimal wegen Sachbeschädigung aufgefallen. Auch bei diesen Taten hatte sie offenbar unter Alkoholeinfluss auf Beziehungskonflikte reagiert, hieß es in der Verhandlung. Das jetzt verhängte Urteil sei notwendig, damit sich das Leben der Angeklagten ändere, betonte der Richter.

Die 29-Jährige hatte sich in ihrem Schlusswort eine Chance erbeten - und damit sicher Bewährung gemeint. (kaj)

Quelle: HNA

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