Malsfelder Familie fand neugeborenes Rehkitz hinter dem Garten – Füchse witterten Beute

Zweite Chance für kleines Kitz

Es soll Bambi heißen: Louisa Stranksy (10 Jahre) gab dem neugeborenen Kitz einen Namen, Foto:  Grenzebach

Malsfeld. Das neugeborene Rehkitz, das Tanja Hilgenberg und ihr Sohn Jan am Mittwochmittag gleich hinter ihrem Garten am Waldrand fanden, soll eine zweite Chance bekommen. Die Ricke stand zwar anfangs noch in Sichtweite, entfernte sich dann aber. Und schon waren zwei Füchse da. Da war schnelle Hilfe nötig.

Durch ein leises Piepsen waren Hilgenbergs auf das Jungtier aufmerksam geworden und hatte zunächst die Situation beobachtet. „Das Kitz war wohl gerade geboren und hatte noch die Nabelschnur dran“, so Tanja Hilgenberg. „Es war noch blutig und noch etwas nass“, berichtet ihr Sohn Jan.

Erste Hilfe mit Milchflasche

Mit Einmal-Handschuhen bewappnet holten sie das ängstliche Kitz in ihren Garten und brachten es in einen Schubkarrenaufsatz erst einmal unter. „Ich habe dann gleich eine Milchflasche gekauft und warme Milch mit viel Wasser verdünnt, damit das Tier trinken konnte“, so Tanja Hilgenberg.

Getrunken hat das Kitz nur sehr wenig, und es lag zusammengekauert in einer Ecke der Box. Tanja Hilgenberg hat daraufhin sofort bei der Polizei in Melsungen angerufen. Diese verwiesen sie an den Revierinhaber Hartmut Landesfeind. Stellvertretend kam dessen Bruder Karl-Heinrich Landesfeind, ebenfalls Jäger, aus Malsfeld und Jagdgehilfe Tim Brede.

Blut lockte Raubtiere an

„Es dauert zwei Wochen bis sich die Ricke und das Kitz völlig kennen. Jetzt wird die Mutter es nicht mehr annehmen“, erklärte Tim Brede. „In der ersten Woche hat das Kitz keinen Eigengeruch. Damit schützt es sich vor Feinden“, so der Jagdgehilfe weiter. Offenbar waren die Füchse von dem Blut der Nabelschnur angelockt worden.

Lange beratschlagt

Doch wie sollte es nun mit dem Kitz weitergehen? Hat es überhaupt eine Überlebenschance? Die Situation war sehr schwierig, und es wurde hin und her beratschlagt und diskutiert: Handaufzucht, noch mal an den Waldrand aussetzen, abwarten, vielleicht in einem Tierpark unterbringen?

Tanja Hilgenberg, die sich sehr um das Wohlbefinden des Kitzes sorgte, überlegte sogar, selbst das Kitz aufzuziehen. Selbst Tochter Louisa, die dem Kitz den Namen „Bambi“ gab, war von der Idee begeistert. Doch die Handaufzucht wäre eine sehr zeitaufwändige Arbeit, da das Kitz fast stündlich die Flasche bräuchte.

Streicheln gut für Verdauung

Landesfeind versuchte, das Kitz zum Trinken zu animieren. Danach solle es gestreichelt werden, das ersetze das Lecken der Mutter und rege den Darmtrakt des Kitzes an, erklärte Tim Brede.

„Es wird schwierig, da dem Kitz lebensnotwendige Elemente aus der Muttermilch fehlen“, so Tim Brede. Die nächsten Tage werden entscheiden.

Nach dem ganzen Hin und her am Mittwochabend liegt das Schicksal des mutterlosen Jungtiers nun in der Hand eines Tierfreundes, der sich mit Rehkitzen auskennt.

Hilgenbergs wollen ihr Kitz heute besuchen – und es bei dem einen Besuch auch nicht belassen.

Quelle: HNA

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