Prozess wird am 17. März fortgesetzt

Tankstelle als Geldquelle: Sechs Angeklagte vor Gericht 

Kassel. Nachdem am ersten Verhandlungstag ein Angeklagter gefehlt hatte, konnte der Prozess gegen sechs junge Männer vor dem Kasseler Landgericht am Montag regulär beginnen.

Die sechs Angeklagten aus dem Schwalm-Eder-Kreis und dem Kreis Kassel im Alter zwischen 20 und 32 Jahren gestanden weitgehend, im Jahre 2012 in verschiedenen Konstellationen Tankstellenüberfälle im Schwalm-Eder-Kreis und anderen Gegenden begangen zu haben. Einer der sechs will sich erst am nächsten Verhandlungstag zu den Vorwürfen äußern.

Zwei der Angeklagten hatten eine Tankstelle in Knüllwald heimgesucht und dort 800 Euro erbeutet. Danach flüchteten sie Richtung Frankreich. Auf dem Weg dorthin überfielen sie noch eine Tankstelle in Kehl, wo sie 500 Euro kassierten. Über Frankreich reisten sie nach Spanien, wo sie es allerdings nicht lange aushielten.

Aktualisiert um 18.15 Uhr

Offenbar weil sie neues Geld benötigten, kehrten sie zurück nach Deutschland und überfielen eine Tankstelle in Freiburg, wo die Beute über 800 Euro betrug. Danach fuhren sie, berichtete einer von ihnen am Montag, wieder nach Spanien.

Erheblich höher war die Beute bei einem Überfall, die drei aus dem Sextett in einer Tankstelle in Rinteln machten: Dort waren es 7000 Euro, von denen dann auch die Mutter eines Beteiligten etwas abbekam.

Während in einigen Fällen ein Messer im Spiel war, kam bei einem Überfall auf eine Tankstelle in Neuental ein laut Anklage allerdings nicht funktionsfähiger Revolver zum Einsatz, mit dem die Kassiererin bedroht wurde. Die Frau wurde bei einem Handgemenge mit einem Faustschlag im Gesicht verletzt.

Glimpflicher kam die Kassiererin einer Tankstelle in Melsungen davon., Sie wurde in einem Büro eingesperrt, wo sie mehr als eine Stunde lang ausharren musste, bis sie befreit wurde.

Ein weiterer Überfall in Melsungen scheiterte lediglich daran, dass die Tankstelle bereits geschlossen war. Zwei der Angeklagten beschlossen kurzerhand, die Spielothek Certo-Play in Homberg zu überfallen. Einer der beiden ging zunächst unmaskiert hinein und schaute sich um. Wenig später setzte er sich eine Maske auf und verlangte von dem Inhaber mit vorgehaltenem Messer Geld. Mit 700 Euro verschwand er wieder. Wie der 22-Jährige am Montag vor Gericht berichtete, hätten ihn zwei der Angeklagten dazu überreden wollen, in derselben Nacht noch eine weitere Spielothek in Homberg zu überfallen, doch er habe sich geweigert.

In dem Verfahren vor der 6. Kammer des Kasseler Landgerichts geht es auch um den Vorwurf der Volksverhetzung. Laut Anklage hat ein 20-Jähriger auf der Anklagebank eine Meldung auf einem nordhessischen Nachrichtenportal über die Zusammenarbeit von Deutschland und Israel mit einem antisemitischen Kommentar versehen.

Die Details aller Taten sollen an den nächsten Verhandlungstagen besprochen werden, am 17. März wird der Prozess fortgesetzt.

Quelle: HNA

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