85 Jahre und nie ein Streit: Zwillinge aus Harle und Lendorf feiern Geburtstag

Lendorf/Harle. Leni Debes war im Stall, als sie plötzlich heftige Rückenschmerzen bekam. Aus heiterem Himmel. Eine Stunde später erreiche sie die Nachricht, dass ihre Zwillingsschwester just zu diesem Zeitpunkt ihren ersten Sohn zur Welt gebracht hatte.

Es sind Geschichten wie diese, die wohl nur Zwillinge erzählen können. Am heutigen Tag gehen Leni Debes aus Lendorf und Liesel Neck aus Harle genau 85 Jahre gemeinsam durchs Leben. Die Zwillinge feiern Geburtstag.

Immer viel zu tun

Geboren wurden sie im heutigen Serbien als deutschstämmige Donauschwaben. 1944 flohen sie vor der russischen Armee und kamen über Umwege nach Nordhessen. Die Zwillinge heiraten im selben Jahr – 1951 – und bekamen beide ein Jahr später ihr erstes Kind.

Leni Debes arbeitete in der Singliser Mühle, Liesel Neck in einer Bäckerei in Wabern – dazu kamen die Landwirtschaft und der Garten. „Uns war nie etwas zu viel und wir waren immer zufrieden“, sagt Leni Debes, und ihre Schwester stimmt zu.

So wie in der Schulzeit, als der Lehrer sie in verschiedene Ecken des Raumes setzte, um sie unterscheiden zu können, wurden sie immer wieder verwechselt. Da wunderte sich der Arzt im Krankenhaus, als die eine Schwester die andere besuchte. Sie müsse doch das Bett hüten und dürfe nicht rumlaufen.

Manchmal seien Bekannte sauer, erzählt Debes’ Tochter Anneliese Jäger, wenn sie die Mutter auf einem Geburtstag trafen und nicht gegrüßt wurden. Kein Wunder: Die Mutter war die Tante und kannte die andere Person gar nicht.

Früher, so erzählt Jäger, habe sie sich mit ihrem Cousin Walter Ritter gestritten, welche der beiden die schönere sei: Mutter oder Tante. Die ärgerten sich über den Streit. Und hatten sich die beiden Damen schon mal selbst so richtig in den Haaren? „Nee, nee, nee“, sagt eine der beiden. Auch die andere kann sich an keinen großen Streit erinnern.

Fußball vor dem Fernseher

Große Einigkeit herrscht auch in Sachen Politik, gemeinsam gucken sie Jauch und werden auch das Kanzler-Duell verfolgen. Und natürlich der Fußball. Wenn ein Spiel läuft, ist der Abend für die beiden Damen gerettet. Da ist es fast egal, wer spielt.

Echte Fans eines Vereins sind sie nicht, aber sie sagen: „Also, für München jedenfalls nicht.“ Und der Jürgen Klopp, Trainer des BVB Dortmund, gefiel Leni Debes anfangs nicht so recht. Doch jetzt, ohne Bart und mit den neuen Haaren, findet sie ihn gut.

Langweilig wird es Leni Debes und Liesel Neck so schnell jedenfalls nicht. Sie genießen ihre Rente, übrigens fast auf den Cent der gleiche Betrag.

Quelle: HNA

Kommentare