Soziale Netzwerke in allen Altersgruppen

Zwischen 17 und 72: Zwei Generationen bei Facebook

+
Im Internet: Luisa Schmidt (17) und Waltraud Siebold (72) nutzen regelmäßig das soziale Netzwerk Facebook.

Schönborn/Ziegenhain. Seinen zehnten Geburtstag feiert Facebook. Unter jungen Leuten gilt der Nachrichtendienst Whatsapp als beliebter Nachfolger. Jetzt kaufte Facebook Whatsapp auf. Wir haben uns mit zwei Generationen über die Vor- und Nachteile des Internetriesen unterhalten.

Waltraud Siebold bezeichnet sich selbst nicht als Technikexpertin, dennoch ist die 72-Jährige regelmäßig mit dem Tablet im Internet unterwegs. Seit Juni vergangenen Jahres tummelt sie sich auch im sozialen Netzwerk Facebook. "Durch meine Enkel bin ich darauf aufmerksam geworden", erzählt die Ziegenhainerin, "die nutzen es alle." In ihrer Generation stellt Waltraud Siebold noch eine Seltenheit dar: "Nicht alle in meinem Alter verwenden Facebook."

Jugendliche hingegen wuchsen mit dem Netzwerk auf, so auch die 17-jährige Luisa Schmidt. Die Schülerin berichtet: in dem 12er-Jahrgang der Melanchthon-Schule im Steinatal sind fast alle bei Facebook angemeldet. Über ihre Smartphones surfen die Jugendlichen regelmäßig im Internet.

Der Computer spielt keine große Rolle, die jungen Leute wollen schnell und unterwegs mobil sein. "Den Computer nutze ich nur, wenn ich etwas für die Schule schreiben muss", sagt das Mädchen aus Schönborn.

In der Schule gibt es zwar Präventionsstunden zu den Gefahren des Internets, dennoch lernte die 17-Jährige den Umgang mit Facebook von einer Freundin. Eine Peinlichkeit ist ihr im Internet noch nicht passiert, denn die Schülerin achtet stark darauf, was sie online stellt.

Luisa Schmidt nutzt das Netzwerk vor allem für ihre sozialen Kontakte. Da gibt es eine Gruppe für den Jahrgang, in der sich die Schüler austauschen, sie steht mit ihrem Austauschpartner aus Québec/Kanada in Kontakt, und die Gästeliste ihrer Geburtstagsfeier soll via Facebook organisiert werden.

Die Schülerin weiß um die Nachteile des ständigen Onlineseins. "Wenn wir abends mit der Familie zusammen essen, lege ich das Handy weg" erzählt sie. Es stört sie, wenn junge Leute ständig auf ihrem Smartphone tippen.

"Das ist eine Frage der Erziehung", betont Waltraud Siebold. Sie setzt ihren Enkeln zeitliche Grenzen, in denen sie im Internet surfen dürfen. Am Esstisch und in Gesellschaft hat Facebook für sie nichts zu suchen.

Dennoch sieht sie die Vorzüge des Netzwerkes: Die 72-Jährige steht mit Familienmitgliedern, die über die ganze Welt verstreut leben, in Kontakt. "Kürzlich habe ich eine Schulfreundin bei Facebook gefunden", erzählt sie, "wir hatten seit 40 Jahren keinen Kontakt mehr." Sie appelliert für einen verantwortungsvollen Umgang damit: "Facebook kann zur Sucht werden."

"Ich könnte auch ohne Facebook leben", fügt Luisa Schmidt hinzu. Denn die junge Generation hat sich bereits eine neue Plattform zum Austausch gesucht: den Nachrichtendienst Whatsapp. Denn wenn sich Eltern, Lehrer, Großeltern im selben Netzwerk tummeln, wird es für die Jugendlichen schnell uncool.

Während der Klassenfahrt nach Nordamerika schrieb die 17-Jährige immer über den Nachrichtendienst an Familie und Freunde in der Heimat. "Ich bekam live mit, was die anderen gerade machten und war auf einem anderen Kontinent. Toll!" Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

Kommentare