Zwischenbilanz des Hessischen Bauernverbandes: Nässe verwässert Ernteerwartung

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Breit aufgestellt: Landwirt Lars Homburg (links) betreibt nicht nur Schweinemast und gemeinsam mit einem Kollegen eine Biogas-Anlage. Im Bereich Ackerbau besetzt er auch Nischen. Unter anderem baut er Dinkel und Mohn an, außerdem, wohl als einziger im Landkreis, Hanf, aus dem wertvolles Öl gewonnen wird. Vom berauschenden THC ist der Hanf übrigens frei. Mit im Hanfbestand: Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbandes, und Erich Schaumburg, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Kassel.

Altenstädt. Die Niederschläge in diesem Jahr waren für die Landwirte mehr Fluch als Segen. Die Ernteaussichten seien alle andere als begeisternd, stellte Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbandes bei seinem Besuch in Altenstädt fest.

„Die Bauern leiden leise. Das bereitet mir Sorgen“, sagte am Donnerstag der Präsident des Hessischen Bauernverbandes Karsten Schmal bei der Vorstellung der Zwischenbilanz zur Getreideernte 2016 auf dem Hardthof von Lars Schomburg in Altenstädt. Keine Demonstrationen als Reaktion auf die teils dramatische Lage in der Landwirtschaft, so mancher Bauer habe da angesichts der Ertragslage schon resigniert.

Und die Lage wird sich wohl auch zunächst nicht grundlegend verbessern. Machte im vergangenen Jahr vor allem ausbleibender Regen im Frühjahr den Landwirten zu schaffen, so waren es in diesem Jahr heftige Niederschläge, vor allem in den vergangenen Tagen und Wochen.

Unterm Strich habe man bei der Wintergerste, deren Ernte inzwischen landesweit abgeschlossen sei, unterdurchschnittliche Ergebnisse. Auch beim Winterraps, mit dessen Drusch nun begonnen werde, „lassen die Erträge zu wünschen übrig“. Man erwarte Erträge, die zwischen zehn und 20 Prozent unter den Ergebnissen des Vorjahres liegen.

Niedrigere Preise 

Wenig Ermutigendes berichtete Karsten Schmal auch zum Thema Preise. Die Erzeugerpreise seien hessenweit „deutlich unter dem Vorjahresniveau angesiedelt“. So liege beispielsweise der Futtergerstepreis aktuell bei rund 118 Euro je Tonne, im Vorjahr waren es es 141 Euro.

Mit rund 160 000 Hektar Anbaufläche (55 Prozent der Getreidefläche) ist der Winterweizen die mit Abstand wichtigste Getreideart in Hessen. Schmal: „Für die bevorstehende Ernte des Winterweizens brauchen wir jetzt länger anhaltendes trockenes und warmes Wetter.“ Das Positive vom Präsidenten: Der Silomais stehe gut, die Zuckerrüben seien gut entwickelt.

Segel gestrichen 

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Kassel, Erich Schaumburg, blickte auf die Situation der Bauern in Stadt und Landkreis Kassel, sprach davon, dass die Ernteergebnisse bei der Wintergerste „auf guten Böden durchaus gut“ seien. Und wenn das Wetter jetzt noch mitspiele, gehe er davon aus, „dass wir mit durchschnittlichen Erträgen bei Raps und Weizen rechnen können“.

Schaumburg beschränkte sich nicht allein auf das Thema Ernte. „Viele Milchviehhalter kämpfen um ihre Existenz, der eine oder andere hat bereits die Segel gestrichen. Aber wenn keine Kühe mehr da sind, wer nutzt dann das Grünland?“ Nach dem Willen der EU müsse Grünland erhalten bleiben. Das sähen die Landwirte anders. Deren Forderung laute: Wenn die Fläche umbruchfähig sei, sollte man sie auch für den Ackerbau nutzen dürfen.

Jakobskreuzkraut 

Zudem kritisierte Schaumburg die Straßenverkehrsbehörde, die nicht mehr häufig genug die Straßenränder mähen lasse. Dadurch könne sich das gefährliche Jakobskreuzkraut vermehren und werde auf die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen getragen.

Quelle: HNA

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