Neun Schüler der Beruflichen Schulen planten und drehten einen Film gegen Gewalt

Film gegen Gewalt: Zwölf Minuten in zehn Tagen

Vor und auf der Leinwand: hinten von links Mirko Nickel, Sören Adler, Alex Reimche, Verena Manthey, Marco Schaub, Ali Celebi; vorne: Björn Sorger, Nadine Eisner und Sherlyn Papschule. Foto: Herbst

Schwalmstadt. Es ist eine knappe Rettung. Die Polizei stürmt gerade noch rechtzeitig in die Lagerhalle, um Luisas Bruder zu befreien, der von einer Gruppe junger Nazis bedroht wird. Das Licht geht wieder an, die Vorhänge schließen sich und die Schüler klatschen begeistert Beifall.

Der Film der soeben über die Leinwand des Burgtheaters flackerte, stammt nicht aus Hollywood, sondern aus der Feder von neun Zehntklässlern. Sie waren die Schauspieler und sie suchten die Drehorte aus.

Ihr Film „Zugzwang“ entstand in Rahmen des Projekts „Gewalt und Rassismus - ohne uns“. Drei Studenten der Universität Kassel unterstützen die Schüler bei den zehntägigen Dreharbeiten. „Es waren sehr engagierte und interessierte Schüler dabei“, sagt Katharina Huber, Studentin der Erziehungswissenschaft und Projektkoordinatorin, „jeder hat seinen eigenen Bereich gefunden, in dem er gerne arbeitet.“

Bereiche zum Ausprobieren gab es zahlreich: Ob Drehbuch schreiben, Schauspielern, sich als Kameramann oder Tontechniker versuchen oder Regieanweisungen geben, die Schüler konnten in die unterschiedlichsten Rollen schlüpfen.

Das Ergebnis der täglich zehnstündigen Arbeit kann sich sehen lassen, findet Klassenlehrerin Jutta Fiedler: „Ich bin begeistert von der natürlichen Darstellung.“ So natürlich wirkt das Schauspiel der Schüler auch, weil sie eigene Erfahrungen verarbeitet haben. Die Medienwerkstatt Kassel hat sich gezielt an Schulen gewendet, bei denen Gewalt und Rassismus ein Thema sein könnte. Die Kasseler Studenten forderten die Jugendlichen auf, einen Aufsatz zum Thema „Angst und Scham“ zu schreiben. Aus den Aufsätzen entwickelten die neun das Drehbuch zum Film.

Die Story: Luisa, eine junge Schülerin, versucht in ihrer Schule Anschluss zu finden. Zu Hause hat sie einige Schwierigkeiten, die Zuwendung vom Vater fehlt. Luisa beginnt sich um die Freundschaft einiger Neonazis zu bemühen. Ihre neuen Freunde fordern sie zum Ladendiebstahl auf und erpressen die Schülerin anschließend mit einem Beweisvideo. Verzweifelt vertraut sich Luisa ihrem Bruder an. Die Situation eskaliert, als sich der Bruder mit den Neonazis anlegt.

Von Ann-Kristin Herbst

Quelle: HNA

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