Vier Treppen aus den vergangenen 800 Jahren besitzt der Gewölbekeller von Uwe Bächt in Naumburg

Zwölf Stufen bis ins Mittelalter

Geschichtsträchtig: Ein Rundbogen schmückt den ältesten Zugang von Uwe Bächts Gewölbekeller. Nach dem Stadtbrand von 1684 bekam der Keller einen neuen Eingang. Fotos:  Norbert Müller

Naumburg. Ein Dutzend Stufen führen in die Vergangenheit. Die Luft hier im Keller ist feucht und kühl. „Zwölf Grad, konstant. Im Sommer wie im Winter“, sagt Uwe Bächt. Und der muss es wissen. Der Steinmetz- und Bildhauermeister hat vor zwei Jahren das 1684 gebaute Fachwerkhaus in der Unteren Straße in Naumburg gekauft und den Gewölbekeller freigelegt.

Zuvor hat er ihn aber erst einmal finden müssen. Wie ein Archäologe hat er dem Keller nachgespürt, von dem er aus Erzählungen eines früheren Hausbewohners ganz sicher wusste, dass es existiert. Einen Zugang gab es aber keinen. Meister Bächt, der beruflich oft genug mit den alten steinernen Vorratskellern zu tun hat, bohrte und flexte, suchte nach Hohlräumen.

Zufallsfund

Letzlich war es dann ein Zufallsfund. „Wir haben eine Fachwerkwand saniert. Da war auch mit Backsteinen gebastelt worden.“ Von dort aus arbeitete sich Bächt bis zu einer kleinen Öffnung vor. Durch die schob er einen 500-Watt-Strahler, an die er eine kleine Videokamera geklebt hatte. „Zuhause auf dem Computer habe ich dann das Elend gesehen.“ Bis knapp unter das Gewölbe war der Keller voller Bauschutt.

Der Fußboden über dem Schütteloch wurde aufgeschnitten und mit Eimer und Kelle die ersten drei Tonnen Schutt ausgehoben. Dann endlich konnte Bächt einsteigen und ein Eingang freigelegt werden, durch die der Rest der Kellerfüllung herausgeschafft wurde. Bächt: „40 Tonnen haben wir da rausgeschleppt. Mit bis zu fünf Leuten haben wir hier eine Woche gekeult.“

Letzlich hat es sich gelohnt, daran besteht für den geschichtsinteressierten Handwerksmeister nicht der geringste Zweifel. Kaum leergeräumt, sagt der 46-Jährige, habe der gut 18 Quadratmeter große Raum gewissermaßen angefangen zu erzählen. Von seiner Entstehung, die Bächt auf das beginnende 13. Jahrhundert, also die Frühzeit der Stadt, datiert. Aber auch von den baulichen Veränderungen, die nach Einschätzung des Steinmetzes um 1684, unmittelbar nach dem großen Stadtbrand, und um das Jahr 1800 vorgenommen wurden.

Aus all diesen Epochen ist jeweils eine Treppe erhalten. Immer, wenn am Haus grundlegende Veränderungen vorgenommen wurden, baute man eine neue Treppe ein, und der alte Zugang wurde zugemauert.

„In 800 Jahren steht das Gewölbe immer noch so fest wie heute.“

Uwe Bächt

Die vierte und letzte installierte Uwe Bächt im Jahr 2009. Durch die vier Treppen, sagt Bächt, „ist der Keller etwas Besonderes. Man kann die Geschichte des Hauses, des Standortes und letztlich der Stadt anhand des Gewölbes nachvollziehen.“ Im fast 800 Jahre alten Keller, schwärmt Bächt, spüre man „einen Moment der Archaik“. „Und in 800 Jahren“, ist er überzeugt, „steht das Gewölbe immer noch so fest wie heute.“

Zurzeit wird der Raum, in den keine Handystrahlung dringt, vom Habichtswalder Haufen, einer Mittelalter-Gruppe, für seine Monatstreffen genutzt. Über zwölf Stufen tauchen die Mitglieder hier ab in längst vergangenen Jahrhunderte. HINTERGRUND

Lebendiger Adventskalender Wolfhagen: 17 Uhr, Adventslieder mit dem Kinderchor Wolfhagen, Marktplatz oder Kirche Bründersen: 17.30 Uhr, Basteln, Treffpunkt vor der Kirche.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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