Zynische Inventur - Kabarett mit Jochen Busse und Henning Venske

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Bitterböse Bilanz: Die Satire-Altmeister Henning Venske (links) und Jochen Busse gastierten in der Wolfhager Kulturhalle.

Wolfhagen. „Haben sie schon eine Nummer gezogen?“ Auf die Frage der beiden Altmeister des politischen Kabaretts, Henning Venske und Jürgen Busse, an die knapp über 150 Besucher am Mittwochabend in der als ärztliches Wartezimmer umfunktionierten Wolfhager Kulturhalle gab es nur eine Antwort.

Das, was die beiden in ihrem neuen Programm „Inventur“ ablieferten, war eine großartige Nummer, politisches Kabarett der Extraklasse.

Zum „nachdenklichen Vergnügen“ des Publikums rechneten die beiden mit Biss und Zynismus, aber auch zündender Komik und köstlicher Parodie mit den politischen und gesellschaftlichen Zuständen in Deutschland ab - mit der ernüchternden Bilanz, dass Deutschland ein Agrar-Staat ist. „Sind wir einfachen Bürger“, so die beiden Kabarettisten, „doch nicht alle die Melkkühe der Nation.“

Nichts war dem knochentrockenen Norddeutschen Venske, der in Anachistenmanier die Demokratie attackierte, und dem konservativen Neoliberalen Busse heilig. Alles, von der Demokratie über die Politik und Politiker aller Coleur, über Finanzkrise und Terroristen-Hysterie bis hin zur Kernkraftdebatte und dem Stammtischgebahren als „typisch deutschem Kulturgut“ wurde aufs Korn genommen, als krank oder unheilbar diagnostiziert oder gar seziert.

Sündenbock der beiden Rampen-Rivalen und Charakterköpfe der Münchener Lach- und Schießgesellschaft war der Dritte im Bunde auf der Bühne: der Akkordeonspieler Frank Grischek, der laut Busse und Venske als ehemaliger Anlageberater und damit „Heuschrecke und Finanzhai“ für die Krise in unserem Land Mitschuld trägt. Doch Grischek hatte die Besucher der Kulturhalle mit hinreißend gespielten Tangos und Walzern voll auf seiner Seite. (zih)

Quelle: HNA

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