Dramatische Suchaktion in Cloppenburg

13-jährige Reiterin aus Morast gerettet

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Foto: Rettungskräfte konnten das Mädchen und das Pony nach stundenlanger Suche in der Nacht befreien.

Molbergen - Eine Geschichte wie ein Alptraum: Ein Mädchen ist mit seinem Pony unterwegs. Das Tier kommt vom Weg ab und versinkt im Sumpf. Die Reiterin will das Pony retten und versinkt selbst. Niemand hört ihr Schreien. Nach Stunden schließlich kommt nachts die Rettung.

Nach mehr als zehn Stunden sind ein 13-jähriges Mädchen und sein Pony in der Nacht zu Montag aus einem Sumpfgebiet nördlich von Cloppenburg befreit worden. Rund 250 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk sowie 100 Polizisten hatten sich an der dramatischen Suchaktion im Resthausener Forst bei Molbergen beteiligt.

Hilfeschreie blieben ungehört

Wie Polizeisprecher Frank Soika gestern sagte, hatte sich die junge Reiterin am Sonntagmittag mit ihrem Shetlandpony „Fridolin“ verlaufen. Warum sie von dem befestigten Rundweg abkam, ist noch unklar. Vermutlich versank zunächst das nur knapp ein Meter große Pony in dem Morast. Bei dem Versuch, das Tier zu retten, geriet auch das Mädchen bis zur Brust in den Schlamm und kam aus eigener Kraft nicht mehr heraus. Weil das Sumpfgebiet am Fluss Soeste weit entfernt von jeder Siedlung liegt, hörte niemand die Schreie der 13-Jährigen. Auch per Handy konnte sie nicht um Hilfe rufen, denn das Mobiltelefon war nass geworden und funktionierte nicht mehr.

Gegen Mittag war das Kind, das laut Polizeisprecher Soika als äußert zuverlässig gilt, mit dem Fahrrad zum Reiterhof gefahren. Als es am Nachmittag nicht wieder zurück kam, machten sich Eltern, Freunde und Nachbarn erst selbst auf die Suche – aber vergeblich. Gegen 17.50 Uhr benachrichtigten sie die Polizei. Die Beamten durchkämmten mit Hunden das Waldgebiet, auch ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera war im Einsatz. Aber von dem Mädchen und seinem Pony fehlte jede Spur.

Erst Beamte der Oldenburger Bereitschaftspolizei, die gerade vom Bundesligafußballspiel zwischen Werder Bremen und Hannover 96 kamen, fanden die beiden schließlich. Gegen 0.30 Uhr wurde die völlig unterkühlte, aber noch ziemlich gelassene 13-Jährige entdeckt. Ihre größte Sorge galt ihrem Pony. Sie bat die Helfer, nicht ihr, sondern Fridolin Jacken umzulegen. Nach zwei Stunden war auch das entkräftete Pferd geborgen. Erst konnte es gar nicht laufen. Aber mittlerweile gehe es Pony und Besitzerin wieder gut, sagte der Polizeisprecher.

Bürgermeister Ludger Möller lobte den Einsatz der Helfer: „Gott sei Dank, dass alles gut gegangen ist.“ „Wenn ein Mädchen mit Pony hier verschwindet, hat man ein ganz beklemmendes Gefühl.“ 1996 war die 13-jährige Ulrike Everts mit ihrer Ponykutsche verschwunden. Sie war von einem Serientäter vergewaltigt und getötet worden.

Tückische Falle

Wer im Sumpf einsackt, kann sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien. Im Gegenteil, je mehr man strampelt, um herauszukommen, desto tiefer sinkt man ein. Ein eingetauchter menschlicher Körper geht allerdings nicht komplett unter, wie man das in Horrorfilmen manchmal sieht, sondern hat Auftrieb, selbst wenn er nur ein bisschen eingesunken ist. Man kann nur ein-, aber nicht versinken. Sümpfe bestehen aus zeitweise stark vernässten, schlammigen Böden mit stehendem Wasser. Beim Moor bildet sich an der Oberfläche Torf. Durch Entwässerung und landwirtschaftliche Nutzung trocknen Sümpfe zunehmend aus. Es gibt aber auch Gebiete, die renaturiert werden wie an der Soeste. dö

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