Friesland

17-Jähriger fesselt Lehrling und zündet seine Beine an

Wiefels - Vielleicht war es nur die unbedachte Dummheit eines Lehrlings, lebensgefährlich und eine Straftat war es allemal: Ein 17-Jähriger fesselt einen befreundeten Azubi und zündet ihn an. Es geht glimpflich ab, doch straf- und arbeitsrechtliche Konsequenzen folgen.

Ein 17 Jahre alter Lehrling hat einen Azubi-Kollegen in einem Entsorgungsbetrieb in Wiefels (Kreis Friesland) gefesselt, mit Bremsenreiniger eingesprüht und angezündet. Er habe plötzlich von den Füßen bis zum Bauch in Flammen gestanden, sagte das 18 Jahre alte Opfer Patrick am Dienstag bei einer von seinem Arbeitgeber organisierten Pressekonferenz in Bremen. Er habe sich befreien und die brennende Hose abstreifen können. Dabei habe er leichte Verbrennungen an den Beinen und eine Wunde an der Hand erlitten, berichtete der angehende Berufskraftfahrer.

Die Tat hatte sich bereits am Freitag ereignet. Der junge Mann zeigte sie aber erst am Montag auf Drängen des Unternehmens bei der Polizei an. Der Haupttäter und zwei andere Lehrlinge seien beurlaubt worden, sagte der Pressesprecher des Abfallentsorgungsunternehmens Nehlsen, Michael Drost. „Für uns ist das kein Kleinjungenstreich.“ Über weitergehende Konsequenzen werde nach den Ermittlungen der Polizei entschieden. Die könnten bis zur Kündigung reichen. „Es kann nicht angehen, dass so etwas passiert.“

Als die vier Auszubildenden am Freitagnachmittag während einer Pause der Spätschichtmitarbeiter alleine in der Werkstatt gewesen seien, habe der 17-Jährige begonnen, ihn mit Kabelbindern an einem Lastwagen zu fixieren, berichtete Patrick. Das habe er noch für einen Scherz gehalten. Dann sei der Bremsenreiniger ins Spiel gekommen. „Da bin ich in Panik geraten.“ Plötzlich habe seine Hose in Flammen gestanden. „Da habe ich mich losgerissen.“

Er sei anschließend nicht sofort zur Polizei gegangen, weil er seine Kollegen nicht verpfeifen wollte, sagte Patrick, der von seiner Mutter begleitet wurde. Sie und ihr Mann seien von der Tat geschockt. „Wir können uns das nicht erklären“, sagte die Frau.

Zum Verhalten des Haupttäters sagte Patrick: „Er stand da und konnte sich nicht mehr halten vor Lachen.“ Bisher habe es keine Entschuldigung gegeben. Ein zweiter Lehrling sei unbeteiligt dabei gewesen, den dritten Azubi habe er erst am Ende des gut zehnminütigen Vorfalls wahrgenommen. Streit oder Mobbing gab es in der Gruppe zuvor nach Patricks Angaben nicht. „Er war ein guter Kumpel von mir“, sagte er über den jungen Mann, der ihn in Brand steckte.

Die Polizei teilte nach der Befragung der Beteiligten am Dienstag in Wilhelmshaven mit, die jungen Männer hätten versichert, dass keiner die Absicht hatte, jemanden zu verletzen. Die Beamten ermitteln wegen gefährlicher Körperverletzung.

dpa/ska

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