Panne bei Edelmarke

Wie 18.000 Liter Whisky in einer Kläranlage landeten

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London - Aus Dumbarton droben in Schottland, wo der River Leven gemächlich in den River Clyde fliesst, ist sonst nicht sehr viel Aufregendes zu berichten. Diese Woche aber mangelte es den Bürgern von Dumbartonern kaum an Gesprächsstoff: Ihr Abwasser war mit einem Mal in aller Munde.

Im örtlichen Klärwerk trauten die Werksangehörigen ihren Nasen nicht, als sie eines Nachts ihre Kontrollgänge unternahmen. Außer den üblichen Gerüchen, die so zu einem Klärwerk gehören, machten sie deutlich noch etwas anderes, Feineres aus - und zwar ein unverwechselbares Spirituosen-Aroma in den Becken.

Nachforschungen wurden angestellt, und rasch stieß man auf die Ursache des seltsamen Phänomens in Klärwerk und Kloaken. In einer nicht weit entfernten Abfüllanlage der Whiskybrennerei Chivas Brothers hatten die dortigen Mitarbeiter zur selben Nacht sich nämlich einen kleinen Fehler zuschulden kommen lassen.

Beim Auswaschen der Anlage hatten sie versehentlich 18.000 Liter Whisky mit in den Abfluss gegossen. „Es war“, erklärte es später einer der Unglücksraben kopfschüttelnd, „als hätte jemand einen Hahn aufgedreht. Alles lief direkt den Abguss hinunter.“

Als man das Ungeschick bemerkte, war es zu spät, um irgendwelche Behältnisse wieder zu verstöpseln. Anschließend tauchte der Whisky nach und nach in der Kläranlage auf. Und das war für die Destille wie für die Bürger von Dumbarton gleichermassen bitter.

Für die Destille, weil der heimische Trank zur Familie der Ballantine-Whiskys gehört - einer besonders beliebten Marke, die in aller Welt ihre Freunde hat und fette Gewinne einträgt. Für die Anwohner und Werksangehörigen aber, weil mit dem in der Kläranlage gelandeten flüssigen Gold nichts mehr anzufangen war. „Wenn´s wenigstens ins Trinkwasser geflossen wäre“, sollen untröstliche Whisky-Liebhaber gemurmelt haben.

Das freilich, eine generelle Beschwipsung der Region, hätten Destille und Behörden auf jeden Fall verhindern müssen. Es seien, beteuerte die Whisky-Firma gestern auch ausdrücklich, „keinerlei geistige Getränke in den River Leven oder in andere Gewässer geraten“.

Ein Sprecher des schottischen Unternehmens Scottish Water versicherte, man behalte die Sache „sehr genau im Auge“. Natürlich könne auch das Entweichen grösserer Mengen Alkohols ins Kanalisationssystem die Wasseraufbereitung „beeinträchtigen“. Vor allem „bei trockenem und kaltem Wetter“. Und trocken und kalt ist es in Dumbarton diese Woche gewesen.

Immerhin - ganz so dramatisch wie vor 21 Jahren ist es diesmal in Dumbarton nicht geworden. Damals liefen aus einem Warenlager ganz in der Nähe 70.000 Liter an Spirituosen direkt in den River Leven.

Im Grunde wäre es den Anwohnern der Gegend ja lieber, der Whisky käme ihnen wie im legendären Film „Whisky Galore“ ins Haus gerollt. In dem landeten seinerzeit Tausende von Whiskyfässern aus einem gestrandeten Schiff an der Küste Schottlands. So ein Szenarium, meint man in Dumbarton, sei doch viele eher dazu geeignet, schottische Lebensgeister zu heben, als das leckere Zeug die Kloake hinunter schwimmen zu sehen.

Von Peter Nonnenmacher

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