Attacke auf Freundin

19-Jährige gesteht versuchten Mord an Schwangerer

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Die 19-jährige Angeklagte Sehrivan A. spricht mit einem Schal vor ihrem Gesicht beim Prozessauftakt im Verhandlungssaal des Landgerichts in Oldenburg mit ihrem Anwalt Gerd-Michael Wellhausen.

Oldenburg - Die Staatsanwaltschaft Oldenburg wirft einer 19 Jahre alten Frau aus Delmenhorst versuchten Mord ihrer schwangeren Freundin vor: Die Freundin überlebt, aber das Kind im Mutterleib wird getötet. Am Mittwoch hat in Oldenburg der Prozess begonnen.

Vor dem Landgericht Oldenburg hat am Mittwoch der Prozess um einen unfassbaren Streit begonnen, an derssen Ende eine schwangere Frau schwer verletzt wurde und ihr Kind verlor. Die 19 Jahre alte Angeklagte Sehrivan A. gestand die ihr zur Last gelegte Tat aus dem vergangenen Sommer gleich zum Auftakt: In Delmenhorst hat sie im Juli 2012 mit einem Küchenmesser auf ihre damals 18 Jahre alte schwangere Freundin eingestochen. Das Kind im Mutterleib konnte infolge der schweren inneren Verletzungen nicht gerettet werden. Sie habe ihre Freundin nicht töten wollen, versicherte die Angeklagte. „Ich wollte mich bei Dir entschuldigen. Es tut mir wirklich von Herzen Leid“, sagte die Angeklagte in Richtung des Opfers.

Die Staatsanwaltschaft wertet die Attacke auf die werdende Mutter dennoch als Mordversuch. Staatsanwalt Florian Eiser sagte, die Angeklagte habe im Sommer 2012 heimtückisch und aus niederen Beweggründen zugestochen. „Aus Eifersucht und Wut wollte sie die Schwangere und das Baby töten.“ Der Tod des ungeborenen Kindes ist nicht als vollendeter Mord angeklagt. „Das Kind war noch nicht auf der Welt“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Oldenburg zur Begründung. Wegen des Kindstodes muss sich die 19-jährige Angeklagte wegen eines Schwangerschaftsabbruchs in einem besonders schweren Fall verantworten.

Das getötete Kind stammt vom Bruder der Angeklagten. Sie habe ihre Freundin am Tag der Tat in deren Wohnung in Delmenhorst besucht, schilderte die Angeklagte den Ablauf. Dort lebte die junge Frau mit dem Bruder der Angeklagten zusammen und dort sei es zu einem Streit gekommen. Das Messer habe sie aus ihrer Tasche gezogen, nachdem die Freundin ihr offenbart habe, dass sie sie nicht mehr sehen wolle. Allerdings konnte die Angeklagte nicht erklären, warum sie vor dem Besuch ein Küchenmesser eingesteckt hatte. Nach der Attacke sei sie nach Hause gelaufen und habe ihren Eltern gestanden, dass sie ihre Freundin schwer verletzt habe. Kurz darauf wurde die heute 19-Jährige von der Polizei festgenommen. Seitdem sitzt sie in Untersuchungshaft.

Ganz anders schildert das Opfer den Ablauf. Es habe keinen Streit gegeben. Vielmehr habe sie ihre Freundin noch zur Haustür begleitet, sagte die heute 19-Jährige. Im Treppenhaus habe diese von einer Überraschung gesprochen. „Ich sollte die Augen schließen und die Hände ausstrecken. Dann hatte ich auch schon das Messer im Bauch.“ Zwölf Stiche sind im Arztbericht verzeichnet. Das Opfer lag zwei Monate im Krankenhaus.

Der erste Prozesstag endete äußerst emotional: „Ich möchte Dich fragen, warum Du das gemacht hast“, fragte das Opfer die Angeklagte. „Ich muss Dir sagen, ich weiß es selbst nicht“, antwortete diese. Bisher sind vier Prozesstage eingeplant. Die Plädoyers und das Urteil sollen am kommenden Mittwoch gesprochen werden.

Karl Doeleke und Vera Jansen

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