Masterplan unterzeichnet

2050 soll die Ems wieder sauber sein

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„Wo jetzt ein relativ toter Fluss ist, kann ein Schmuckstück entstehen“: Die auf der Meyer-Werft gebaute „Celebrity Silhouette“ passiert den Emsdeich im Kreis Leer. Foto: dpa

Hannover - Bislang war es nur eine Absichtserklärung: Jetzt haben mehrere Umweltverbände, die Landesregierung, der Landkreis Emsland und die Meyer-Werft den sogenannten Masterplan Ems unterschrieben. Er soll die Existenz der Kreuzschifffahrtwerft sichern und gleichzeitig den nahezu toten Fluss renaturieren.

„Wir werden 2050 eine Ems haben, die sauber und voll von Fischen ist, die eine Auenlandschaft bietet“, schwärmte gestern Umweltstaatssekretärin Almut Kottwitz: „Wo jetzt ein relativ toter Fluss ist, kann ein Schmuckstück entstehen.“

Seit sechs Monaten hat das Land unter Führung von Staatssekretärin Birgit Honé über die konkrete Ausgestaltung des Vertrages verhandelt, dessen grobe Zielrichtung bereits im Sommer vergangenen Jahres vorgestellt worden ist. Die Stadt Emden und der Landkreis Leer wollen die Ergebnisse noch ihren Gremien vorstellen, bevor sie den Vertrag unterzeichnen.

Das größte Problem der Ems ist ihre Verschlickung. Der Fluss muss zur Überführung der Kreuzfahrtschiffe in die 40 Kilometer entfernte offene See aufgestaut werden, was die Verschlickung extrem befördert. Dreißig Kreuzfahrtschiffe hat die Meyer Werft in Papenburg bisher gebaut - und die „Pötte“ werden immer größer. In den vergangenen Jahren haben deshalb Umweltverbände immer wieder mit Klagen auf die Überführungsgenehmigungen reagiert. Mit der Verabschiedung des Masterplanes Ems wollen BUND, Naturschutzbund Deutschland und der World Wide Fund of Nature (WWF) künftig auf die Klagen gegen die Schiffsüberführungen verzichten.

Der Verschlickung des Flusses wollen die Umweltplaner mit mehreren Maßnahmen begegnen, deren Verwirklichung in mehreren Machbarkeitsstudien durchgespielt werden soll. So soll der Schlickeintrag in den Fluss durch ein „intelligentes Tidemanagement“ (Honé) verringert werden. Bausteine dieses Managements sind Verbesserungen am Emssperrwerk, das eine sogenannte Sohlschwelle eingebaut bekommen könnte. Diese vermutlich sehr kostspielige Maßnahme müsste der Bund bezahlen, der über die Wasser- und Schifffahrtsdirektion an den Verhandlungen über den Masterplan beteiligt war.

Ferner sollen Überflutungsflächen gebildet werden. Für erste Planungen eines Pilotpolders werde das Land 22 Millionen Euro bis 2018 in den Etat einstellen, berichtete Honé. Der Pilotpolder an einem Altarm der Ems bei Papenburg soll das Tidevolumen vergrößern, andererseits auch Flächen bieten, auf denen sich Sedimente ablagern können.

Der ehrgeizigste Teil des Masterplanes ist der geplante Ankauf von Flächen für Ausgleichs- und Renaturierungsmaßnahmen. Hierfür will sich das Land 35 Jahre Zeit lassen, am Ende sollen 700 Hektar bereitstehen. Staatssekretärin Kottwitz hält das für möglich, zumal das Land Niedersachsen selbst große Domänen habe, die mögliches Tauschland zur Verfügung stellen könnten. „Bei dem Vorhaben muss niemand Angst haben, enteignet zu werden - das ist ausgeschlossen“, sagte Staatssekretärin Honé.

Sie zeigte sich zuversichtlich, dass die EU in Brüssel dem Vorhaben zustimmt. Von hier kommt der größte Druck, den Fluss wieder zu renaturieren, da die Wasserqualität der Ems schon lange nicht mehr der Wasserrahmenrichtlinie der EU entspricht. BUND-Geschäftsführer Carl-Wilhelm Bodenstein-Dresler begrüßte den Masterplan: „30 Jahre haben wir geglaubt, es gehe immer weiter rückwärts mit dem Umweltschutz, jetzt haben wir eine Zukunft für die Ems.“

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