Morversuch mit Blei und Quecksilber

44-Jähriger versucht Ehefrau zu vergiften

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Foto: Tatsächlich ist die Frau schwer erkrankt und schleppte sich von einem Arzt zum anderen.

Göttingen - Auf perfide Weise soll ein 44-Jähriger versucht haben, seine Frau zu töten. Zunächst soll er mit einer Spritze giftiges Blei durch die Korken in ungeöffnete Weinflaschen gespritzt haben. Weil ihm die Bleivergiftung aber zu lange dauerte, habe der Mann Quecksilber im Haus versteckt. Er sitzt seitdem in U-Haft.

Im Wohnhaus der von ihm getrennt lebenden Frau, zu dem der 44-Jährige noch den Schlüssel besaß, soll er an mehreren Stellen Quecksilber versteckt haben, damit es verdampft und die Frau langfristig vergiftet wird.

Der mutmaßliche Mordversuch soll sich bereits im vergangenen Jahr abgespielt haben; wie die Göttinger Staatsanwaltschaft am Montag bestätigte, sitzt der 44-Jährige bereits seit Mitte Dezember in Untersuchungshaft. Seit Juli 2014 soll er versucht haben, die Gesundheit seiner Ehefrau zu schädigen und sie zu töten, sagte Staatsanwalt Andreas Buick.

Tatsächlich ist die Frau schwer erkrankt, schleppte sich von einem Arzt zum anderen. Langfristige Schäden sind zu erwarten. Kinder wird sie wohl nie mehr bekommen können. Seit die Ursache der Vergiftung bekannt ist und sie entsprechend behandelt werden kann, habe sich ihr Gesundheitszustand allerdings etwas verbessert, sagte Buick.

Der Mord wäre möglicherweise gelungen, wäre die Frau nicht beim vorweihnachtlichen Kuchenbacken so aufmerksam gewesen. Kleine silberne Kügelchen sprangen in der Hitze des Backofens hin und her. Sie entpuppten sich als verstecktes Quecksilber. Eine Blutuntersuchung bei einem Arzt bestätigte eine schwere Belastung mit Blei und Quecksilber. Danach nahmen die Ermittlungen ihren Lauf. Dabei stellten die Beamten Weinflaschen sicher, deren Inhalt teils bis zur 690-fachen Dosis der zugelassenen Menge Bleizuckers enthielten.

Der 44-Jährige ist beruflich selbstständig und kein Chemiker. Er soll sich das Wissen um die Gefährlichkeit der Schwermetalle im Internet angelesen haben. Das betroffene Wohnhaus in einem dörflichen Göttinger Ortsteil ist seit Entdeckung der Belastungen unbewohnbar. Möglicherweise muss es abgerissen oder aufwändig saniert werden.

Von Jürgen Gückel

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