Sexueller Missbrauch

44-Jähriger wird zu zehn Jahren Haft verurteilt

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Foto: Jahrelang das Patenkind missbraucht: Der Angeklagte Thomas M. im Gericht.

Göttingen - Mehr als fünf Jahre dauerte das Märtyrium des kleines Mädchens. Immer wieder wurde es von seinem Patenonkel missbraucht und misshandelt - jetzt wurde der 44-jährige Kinderschänder vom Landgericht Göttingen zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Das Landgericht Göttingen hat am Donnerstag einen 44-jährigen Mann, der seine Patentochter immer wieder missbraucht und misshandelt hat, zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht befand den Maler und Lackierer aus Göttingen des sexuellen Missbrauchs und der sexuellen Nötigung in 30 Fällen für schuldig. Drei dieser Fälle, die sich über mehr als fünf Jahre ereignet hatten, stuften die Richter als besonders schwer ein. Gleichzeitig ordnete die Kammer an, dass der Angeklagte in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird. Bei ihm liege eine schwere seelische Abartigkeit vor, die seine Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt habe. Damit bestehe die Gefahr, dass auch andere Kinder zu Opfern werden könnten. Der Angeklagte müsse so lange in der Psychiatrie bleiben, bis von ihm keine Gefahr mehr ausgehe. Dies könne noch sehr viele Jahre dauern.

Das Gericht blieb mit seinem Strafmaß unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine elfjährige Freiheitsstrafe gefordert hatte. Die Verteidigung hatte auf neun Jahre plädiert. Der Angeklagte hatte in dem Prozess alle Vorwürfe eingeräumt und selbst den Wunsch geäußert, psychiatrisch behandelt zu werden. Der 44-Jährige hatte sämtliche Taten auf Video aufgenommen, von denen mehrere auch im Prozess gezeigt wurden. „Was wir gesehen haben, war schwer aushaltbar, auch für den Angeklagten selbst“, sagte der Vorsitzende Richter Matthias Koller. Dieser habe offenbar erst im Verlauf des Prozesses begriffen, was er angerichtet habe. Zu Beginn der Missbrauchsserie im Jahr 2006 war sein Patenkind - die Tochter einer Cousine - sechs Jahre alt. Zunächst seien die sexuellen Übergriffe noch in ein spielerisches Geschehen eingebettet gewesen, später habe der Angeklagte dann immer massivere Gewalt angewendet, sagte der Richter. Dabei habe er das Kind, das regelmäßig an Wochenenden und in den Ferien bei ihm übernachtete, wiederholt so stark gewürgt und gedrosselt, dass es unter akuter Atemnot litt.

Was das Gericht besonders erschütterte: Mehr als fünf Jahre lang blieben diese Taten unentdeckt. Der Angeklagte habe nach außen hin ein unauffälliges Leben geführt, sagte der Richter. Die Missbrauchsserie endete im Herbst vergangenen Jahres. Damals wunderte sich die Mutter, dass die heute elfjährige Tochter ihren Onkel nicht mehr besuchen wollte.

Ans Tageslicht kamen die Taten erst, als sie nach einem Fernsehfilm über ein Sexualverbrechen ihre Kinder vor Fremden warnen wollte. Da berichtete das Mädchen, dass der Onkel so etwas „schon mit ihr gemacht“ habe.

Heidi Niemann

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