Sieben Jahre Haft

47-Jähriger ersticht seinen Stiefvater

Foto: Das Landgericht in Bremen.

Bremen - Er tötete seinen Stiefvater mit einem Küchenmesser - dafür wurde ein 47-Jähriger nun mit einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und drei Monaten bestraft. Da er an Schizophrenie erkrankt ist, soll der Mann aber nicht ins Gefängnis, sondern in die Psychiatrie.

Ein 47-Jähriger, der seinen Stiefvater erstochen hat, ist vor dem Bremer Landgericht wegen Totschlags zu sieben Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Der an Schizophrenie erkrankte Mann müsse in der Psychiatrie untergebracht werden, ordnete der Vorsitzende Richter Helmut Kellermann am Freitag an. Der Verurteilte hatte gestanden, seinen Stiefvater im Mai in der gemeinsamen Wohnung in Bremerhaven mit einem Küchenmesser getötet zu haben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren wegen Mordes gefordert. Die Verteidigung plädierte auf eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Beide Parteien waren sich einig, dass der Mann weiter in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden muss. Nach dem Urteil der Kammer ist die Tat vor allem mit der Erkrankung des Mannes zu erklären. Wegen der Schizophrenie habe der Verurteilte selbst kleinste Streitereien zwischen seiner Pflegemutter und deren Ehemann als große Belastung empfunden.

Auch die räumliche Enge in der Wohnung habe ihm nicht gut getan. Demnach baute sich in seinem Kopf eine große Spannung auf, die er irgendwann nicht mehr aushielt. Unter Zwang und mit Tötungsabsicht habe er dann auf seinen Stiefvater eingestochen, als dieser gerade mit seinem Laptop und Essen auf dem Sofa saß. Sein Opfer sei völlig wehrlos gewesen. Dass Stiche in die Herzgegend lebensgefährlich sein können, sei dem Verurteilten bewusst gewesen, sagte Kellermann.

"Jetzt hast du endlich deine Ruhe" und "Mutter, das habe ich für dich getan", soll der 47-Jährige nach der Tat zu seiner Pflegemutter gesagt haben. Dabei soll es zwischen den Eheleuten nie zu ernsten Problemen gekommen sein. Auch das Verhältnis zwischen dem Stiefvater und dem nun Verurteilten war nach den Erkenntnissen des Gerichts gut.

Dass die Tat am Abend des 18. Mai passierte, sei reiner Zufall gewesen, sagte der Richter. Der Verurteilte habe spontan gehandelt, eine bewusste Wahrnehmung und Ausnutzung der Situation habe es nicht gegeben. Daher käme eine Verurteilung wegen Mordes nicht infrage. Positiv sei zu bewerten, dass der Verurteilte alles gestanden und sich für die Tat entschuldigt habe.

Als negativ beschrieb Kellermann, dass der 47-Jährige, der seit längerer Zeit in Behandlung ist, mit seinen Ärzten nie offen über seine Gedanken gesprochen hat. Eine vorgeschlagene Erhöhung der Medikamentendosis habe er abgelehnt. Kellermann appellierte an den Verurteilten, sich den Ärzten zu öffnen. Er werde erst aus der Psychiatrie entlassen, wenn er keine Gefahr mehr darstelle. Unter Umständen könne dies weit aus länger dauern als die Haftstrafe von sieben Jahren und drei Monaten.

dpa

Kommentare