Hang rutscht auf US-Gemeinde

Acht Tote und eine Spur der Verwüstung

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Die Landschaft in der US-Gemeinde Oso im US-Bundesstaat Washington sieht aus, als sei sie von einem Bulldozer überrollt worden.

Oso - Das dunkelbraune Feld der Verwüstung ist enorm. Mehr als vier Meter hoch türmen sich Schlamm und Trümmer, nachdem ein ganzer Hang auf eine kleine US-Gemeinde gerutscht ist. Mindestens acht Menschen sind tot, der Verbleib von 108 weiteren ist noch ungeklärt.

Als Seth Jefferds nach Hause kam, waren seine Frau Christina und seine vier Monate alte Enkelin verschwunden und sein Haus dem Erdboden gleichgemacht. Innerhalb weniger Sekunden hatte ein gewaltiger Erdrutsch Teile der Gemeinde Oso im US-Bundesstaat Washington unter einer Masse aus Schlamm, Steinen und Sand begraben. „Wie ein Bulldozer“ sei die dunkelbraune Lawine über das Haus des freiwilligen Feuerwehrmanns Jefferds hinweggerollt, soll er seinem Stiefbruder zufolge gesagt haben. Die US-Flagge an seiner Feuerwehrstation hängt auf halbmast.

Mindestens acht Menschen sind tot, über den Verbleib von 108 weiteren wurde am Montag zunächst noch gerätselt. Die Zahl der Todesopfer werde aber darunter liegen, versicherte John Pennington vom Notfallmanagement im Snohomish County am Montagmorgen (Ortszeit). Mindestens 30 Häuser wurden komplett zerstört. Der Highway 530, der ebenfalls im Schlamm unterging, wurde auf unbestimmte Zeit gesperrt.

Unentwegt versuchten Retter, Menschen im riesigen Trümmerfeld zu finden, das eineFläche von mehr als 360 Fußballfeldern bedeckt. Doch weil Menschen in den instabilen Erdmassen versinken können wie im Treibsand, mussten Rettungskräfte teils auf Hubschrauber ausweichen. Mit jeder Stunde nach dem Notfall vom Samstagvormittag (Ortszeit) wuchs die Sorge, dass die Vermissten nur noch tot geborgen werden könnten. Die anfänglichen Hilferufe sind nach und nach verstummt.

Schreckliche Szenen spielten sich ab, als die Schlammlawine über die kleine Gemeinde rund 100 Kilometer nördlich von Seattle zog. Kurz nach dem Erdrutsch hörten Anwohner in der Nähe ein Kind schreien, berichtete die „Seattle Times“. Eine Gruppe Männer befreite ein mit Schlamm bedecktes, sechs Monate altes Baby. Anderswo winselte ein Hund, der in Trümmern gefangen war - doch weil die Erdmassen sich zu sehr bewegten, mussten Retter den Einsatz abbrechen und das Tier zurücklassen. „Überall waren Schlamm, Haushaltsgegenstände, schreiende, weinende Menschen, die in den Dreck rannten“, sagte eine Augenzeugin der „Seattle Times“ zufolge.

Einen Tag nach der Katastrophe ist die Hoffnung, Vermisste im Feld der Verwüstung zu finden, dramatisch gesunken. „Wir haben da draußen heute keine Lebenszeichen gehört oder gesehen“, sagte Feuerwehrchef Travis Hots am Sonntag. Unter den Vermissten ist auch eine Gruppe Mädchen, die am Wochenende eine Übernachtungs-Party gefeiert hatten.

Nachdem rekordartige Regenfälle den Hang hatten abrutschen lassen, spielte Sonnenschein den Rettern wenigstens am Montag in die Hände. Doch bereits am Dienstag soll es erneut regnen. Dann könnte auch der Wasserpegel des Fluss Stillaguamish steigen, der Trümmer fortgespült hatte, die sich zu einem Damm auftürmten. Falls er bricht, könnten Sturzfluten die Lage in Oso weiter verschlimmern. Schon in den ersten Tagen hatte das Rote Kreuz Notunterkünfte geöffnet und Mahlzeiten verteilt. Gouverneur Jay Inslee hat den Notstand ausgerufen.

dpa

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