Personalquerelen im Regionalverband

ADAC macht Streit zur Chefsache

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Foto: ADAC-Präsident Peter Meyer und Präsidiumsmitglieder haben sich mit dem Vorstand des Regionalverbandes zu einer Krisensitzung getroffen.

München/Laatzen - Eigentlich ließ die ADAC-Zentrale ihre Regionalverbände bislang machen, was sie wollen. Das scheint nun vorbei zu sein. Präsident Meyer greift nach Zeitungsinformationen persönlich bei den zerstrittenen Niedersachsen ein.

Der Automobilclub ADAC macht die Bespitzelungsvorwürfe und Personalquerelen im Regionalverband Niedersachsen/Sachsen-Anhalt zur Chefsache. Seit Monaten schon brodelt es in dem Verband, nun will die Spitze entgegen ihrer bisheriger Vorgehensweise eingreifen.

Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ vom Montag haben sich ADAC-Präsident Peter Meyer und Präsidiumsmitglieder mit dem Vorstand des Regionalverbandes zu einer Krisensitzung getroffen. Was dabei beschlossen wurde, darüber wird Stillschweigen bewahrt. Der ADAC bestätigte diese Angaben weitgehend.

Um eine Krisensitzung habe es sich aber nicht gehandelt, sondern um eine „routinemäßige Vorstandssitzung“, betonte eine Sprecherin des Regionalverbandes in Laatzen bei Hannover.

Meyer selbst habe ein Konzept vorgelegt, um die Lage zu beruhigen. „Das Konzept ist nicht für die Öffentlichkeit geeignet, sondern betrifft ausschließlich die Gremien des ADAC intern“, sagte er der „SZ“.

Die ADAC-Zentrale hatte dem am Montag nichts hinzuzufügen und wollte den Zeitungsartikel nicht weiter kommentieren. Sie verwies auf den Regionalverband. „Dem haben wir nichts hinzuzufügen“, hieß es aber auch aus Laatzen.

Hintergrund des Streits sind unter anderem Vorwürfe wegen angeblicher Bespitzelungen. Der Betriebsrat hatte ADAC-Geschäftsführer Hans-Henry Wieczorek angezeigt, weil E-Mails von Mitarbeitern ausspioniert worden sein sollen. Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte daraufhin Ermittlungen eingeleitet, diese aber Ende Juni eingestellt.

Ende Juli dann, nur vier Monate nach seiner Wiederwahl, hatte Reinhard Manlik das Amt als Vorsitzender des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt niedergelegt. Er wolle sich auf ehrenamtliche Aufgaben in seiner Heimatstadt Braunschweig konzentrieren, begründete er den Schritt. Im März kommenden Jahres werde die Mitgliederversammlung einen neuen Chef wählen, sagte eine Sprecherin des Verbandes. Mit den Bespitzelungsvorwürfen habe der Rücktritt Manliks nichts zu tun, betonte damals eine ADAC-Sprecherin.

Auch beim ADAC Nordbayern hatte es bereits 2011 Wirbel um einen Lauschangriff gegeben, nachdem der Regionalverband vorher schon von einer Untreue- und Sexismus-Affäre erschüttert worden war. Firmeninterne Ermittlungen hatten ergeben, dass es in den Geschäftsräumen des Automobilclubs jahrelang zu großangelegten Abhör- und Spitzelaktionen gekommen war.

dpa

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