Krankenhäuser auf dem Land bedroht

Ärzte befürchten Kliniksterben in Niedersachsen

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Foto: Kleine Kliniken wie das Krankenhaus Salzhausen müssen um ihr Überleben kämpfen.

Hannover - Die Ärzteschaft in Niedersachsen befürchtet ein Kliniksterben. „Die flächendeckende Krankenhausversorgung in Niedersachsen gerät zunehmend in Gefahr“, teilte die Präsidentin der niedersächsischen Ärztekammer, Martina Wenker, am Freitag mit.

Die wirtschaftliche Situation der Kliniken werde immer schwieriger, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von Kammer, Marburger Bund und Niedersächsischer Krankenhausgesellschaft. Im vergangenen Jahr hätten bereits 40 Prozent der Kliniken in Niedersachsen rote Zahlen geschrieben. Diese Entwicklung werde sich in diesem Jahr voraussichtlich noch verschärfen.

Vor allem kleine Kliniken auf dem Land haben Probleme. In Einbeck im Kreis Northeim etwa versucht eine Bürgerinitiative das Überleben des kleinen Krankenhauses zu sichern, in Salzhausen im Kreis Harburg kämpft ein genossenschaftlich betriebenes 75-Betten-Haus ums Überleben.

In der Region Hannover wollen die Geschäftsführungen von allen 21 Krankenhäusern am kommenden Mittwoch öffentlich Alarm schlagen. „Das ist ein Novum in der Geschichte des Gesundheitsstandorts“, hieß es von den Organisatoren, die ganz unterschiedliche Klinikträger wie Kommunen, Kirchen, Sozialverbände und Privatunternehmen vertreten.

Grund für die finanziellen Probleme der Häuser sind zum einen die Fallpauschalen, die die Kliniken pro Patient bekommen und die in Niedersachsen niedriger sind als etwa in Bayern. Diese Pauschalen handeln die Kassen mit der Krankenhausgesellschaft aus. Zum anderen klagen die Kliniken über drastisch gestiegene Kosten für Personal und Energie.

Im Sozialministerium in Hannover wird die Entwicklung aufmerksam beobachtet, das Land ist aber nicht für die derzeit aus dem Ruder laufenden Betriebskosten, sondern allein für die Investition in die Kliniken zuständig. „Wir sehen das auch mit Sorge, das da im Moment viele Krankenhäuser in solche Engpässe geraten“, sagte Ministeriumssprecher Thomas Spieker. „Wir können aber nicht in die Selbstverwaltung eingreifen, wir beobachten das.“

dpa

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