Medizin

Ärzte lehnen Bürgerversicherung ab

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Foto: Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery.

Hannover - Die Ärzteschaft plädiert dafür, am Wettbewerb von gesetzlicher und privater Krankenversicherung festzuhalten. „Wir sind gut beraten, das duale System fortzuführen“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, am Samstag in Hannover.

87 Prozent der Ärzte lehnten die Einführung einer von SPD, Grünen und Linken geforderten Bürgerversicherung ab. Diese sei ein Turbolader für die Zwei-Klassen-Medizin. Langfristig solle das Krankenversicherungssystem aber weiterentwickelt werden. Die Ärzteschaft kommt vom 28. bis 31. Mai in Hannover zum 116. Deutschen Ärztetag zusammen.

Montgomery forderte, die Finanzautonomie der gesetzlichen Krankenversicherungen wieder herzustellen. Der derzeitige Versichertenanteil solle zu einem festen, vom Einkommen unabhängigen und von den Kassen selbst festzulegenden Gesundheitsbeitrag weiterentwickelt werden. Um mehr Generationengerechtigkeit zu erreichen, plädiert die Ärzteschaft dafür, ein Gesundheits-Sparkonto für alle Neugeborenen in Deutschland einzurichten. 100 Euro monatlich als Rückstellung sollten eine Grundsicherung bilden und eine Zukunftschance bieten. Das Geld soll aus Steuermitteln fließen.

Die Frage der zunehmenden Ökonomisierung des Gesundheitswesen sei ein Kernthema der Tagung. „Wir erleben einen ökonomischen Druck, der dazu führt, dass das wirtschaftliche Ergebnis von Kliniken und Arztpraxen höher gewertet wird, als die erfolgreiche Behandlung der Patienten“, kritisierte Montgomery.

Kinder aus sozial schwachen Familien müssten die gleichen Lebenschancen erhalten, wie Kinder aus sozial bessergestellten Familien. „Viele Menschen fallen durch den Rost des Sozialsystems“, kritisierte Montgomery.

dpa

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