Rassismus-Vorwurf

Afrikaner verklagt Münchner Club

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Foto:Hamado Dipama klagt auf Schmerzensgeld, da er von Türstehern an Münchner Nachtclubs nicht eingelassen wurde und macht seine Hautfarbe für die Ablehnung verantwortlich.

München - Du kommst hier nicht rein! Ein Mann aus Burkina Faso verklagt Münchner Clubs, weil sie ihm den Eintritt verwehrten. Der dunkelhäutige Afrikaner vermutet Rassismus. Schon beim ersten von sechs Prozessen zeigt sich aber: Die Sache wird kompliziert.

Ein Afrikaner kam in 20 von 25 Münchner Clubs nicht hinein - und zog vor Gericht. Am Mittwoch hat der erste von sechs Schadensersatzprozessen wegen Rassismus-Vorwürfen im Nachtleben vor dem Amtsgericht München begonnen. Hamado Dipama warf in der Verhandlung dem Betreiber eines Clubs auf dem Gelände der Kultfabrik im Münchner Osten vor, ihn und einen ebenfalls dunkelhäutigen Freund wegen ihrer Hautfarbe nicht eingelassen zu haben.

Der Mann aus Burkina Faso hatte im vergangenen Jahr gemeinsam mit anderen Mitstreitern aus dem Ausländerbeirat eine Stichprobe in 25 Münchner Clubs durchgeführt. In 20 davon wurde er abgewiesen. Seine weißen Freunde wurden dagegen problemlos hineingelassen.

„Wir haben den Türsteher zur Rede gestellt“, sagte Dipama vor Gericht. Der ebenfalls dunkelhäutige Mann habe dann zugegeben, sie wegen ihrer Hautfarbe nicht in den Club lassen zu dürfen - Anweisung vom Chef. Einige Zeugen, die Dipama bei dem Test begleitet hatten, bestätigten seine Aussage zu großen Teilen, auch wenn sie sich nicht mehr an genaue Wortlaute erinnern konnten. Der Chef der zuständigen Sicherheitsfirma bestritt als Zeuge vor Gericht aber jeglichen Rassismus. Seine Mitarbeiter hätten die Anweisung, alle Leute gleich zu behandeln. Nur Gäste in Jogginghosen oder dreckigen Turnschuhen würden abgewiesen, Betrunkene oder Minderjährige.

„Was man da glaubt oder nicht, ist immer schwierig“, sagte Richter Ulrich Locher, betonte aber in Bezug auf den Kläger Dipama auch: „Er war nicht alkoholisiert, er war nicht aggressiv, der Club war nicht voll.“ „In diesem Verfahren wird nicht entschieden, ob es Rassismus in dieser Gesellschaft gibt“, betonte Locher. „Den gibt es.“ Hier gehe es nur um die Bewertung einzelner, möglicherweise nicht zulässiger Verhaltensweisen - darum müsse jeder der Fälle einzeln geprüft und verhandelt werden.

Dipama klagt auf Unterlassung und Schmerzensgeld - auf der Grundlage des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG). Demnach darf niemandem wegen seiner Hauptfarbe die Teilhabe am öffentlichen Leben verwehrt werden - und da gehören Nachtclubs dazu, wie Richter Locher betonte. Ob es sich in diesem Fall allerdings rassistische Beweggründe beweisen ließen, das stehe auf einem anderen Blatt.

Es gebe nur wenige Vergleichsfälle, sagte er und verwies auf lediglich drei Urteile der Amtsgerichte Bremen und Oldenburg sowie des Oberlandesgerichtes Stuttgart. Der Richter will den Prozessbeteiligten binnen einer Woche schriftlich darlegen, wie das Verfahren aus seiner Sicht weitergehen sollte.

dpa

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