Tragödie im Mittelmeer

300 afrikanische Flüchtlinge vermisst

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Foto: Italienische Küstenwache vor Lampedusa.

Lampedusa - Wieder sind Flüchtlinge beim Versuch nach Europa zu kommen vermutlich im Mittelmeer ertrunken. Die 300 vermissten Afrikaner waren vor vier Tagen mit Schlauchbooten in Libyen aufgebrochen. Das Flüchtlingshilfswerk spricht von einer Tragödie.

Bis zu 300 afrikanische Flüchtlinge haben ihren Versuch, Europa zu erreichen, offenbar mit dem Leben bezahlt. Vier Tage, nachdem sie am libyschen Strand in mehreren Schlauchbooten aufgebrochen seien, würden rund 300 Menschen vermisst, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Mittwoch mit. Es handele sich um eine "Tragödie von enormem Ausmaß". Nur neun Flüchtlinge hätten gerettet werden können. Die übrigen seien "von den Wellen verschluckt" worden.

Die Überlebenden wurden von der Küstenwache auf die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa gebracht. Sie sprechen Französisch und stammen vermutlich aus Westafrika. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) starteten sie am Samstag nahe der libyschen Hauptstadt Tripolis. Auf die vier Schlauchboote hätten sich jeweils mehr als hundert Flüchtlinge gezwängt, vermutlich am Montag seien sie dann gekentert, sagte der IOM-Sprecher für Italien, Flavio Di Giacomo. Ein erstes der Boote war am frühen Montagmorgen von der italienischen Küstenwache in der stürmischen See aufgebracht worden. Von den Passagieren starben 29 an Erfrierungen, 22 davon an Bord des Patrouillenbootes auf dem Weg nach Lampedusa.

Ärzte, die an der Rettungsaktion beteiligt waren, warfen den italienischen Behörden vor, bei der Entsendung eines größeren Marineschiffes hätten viele der Kältetoten noch gerettet werden können. Den Berichten der Überlebenden zufolge kenterte ein zweites Boot, ein drittes verlor Luft und sank. Mehr als 200 Menschen, die auf diesen Booten waren, ertranken demnach. Der UNHCR und die IOM gingen davon aus, dass auch das vierte noch fehlende Boot mit etwa hundert Menschen an Bord im Sturm gesunken ist.

Das erneute Flüchtlingsdrama wirft ein Mal mehr ein Schlaglicht auf die Grenzen der EU-Mission Triton. Bis zum November hatte die italienische Marine mit ihrer Mission Mare Nostrum tausende Schiffbrüchige aus dem Mittelmeer gerettet. Weil sich die EU-Partner weigerten, sich substanziell an den Kosten von monatlich neun Millionen Euro zu beteiligen, stellte Rom die Mission ein. Die Triton-Mission der EU-Grenzschutzagentur Frontex hat ein Budget von monatlich 2,9 Millionen Euro.

dpa

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