Baumsterben und Straßenschäden

Aggressive Ameisen aus Asien unterwandern Rostock

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Die Vernachlässigte Ameise hat sich wohl schon zu DDR-Zeiten in Rostock fesgesetzt – jetzt aber wird sie zum Problem.

Rostock - Ein Heer kleiner Tiere unterwandert Rostock: Die Ameisenart aus Vorderasien hat sich in der Stadt festgesetzt und wir allmählich zum Problem. Neben abgesackten Wegen sind auch Häuser und Bäume in Gefahr.

Die Tiere sind winzig, die Schäden, die sie verursachen können, aber richtig groß: Pflasterwege sacken ab, Bäume sterben, Häuser verlieren an Wert. Die Ameisenart Lasius neglectus hat sich in Rostock festgesetzt – und sorgt für jede Menge Ungemach.

Bislang ist die Art, die ursprünglich aus Vorderasien stammt, nur an zwei anderen Orten in Deutschland aufgetaucht:dem Botanischen Garten Jena und einem Haus in Nürnberg. „Es kann aber weitere Vorkommen geben, da die Ameise selbst für Experten sehr schwer zu bestimmen ist“, sagt Kai Gloyna vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock. Mit Schädlingsbekämpfern in ganz Mecklenburg-Vorpommern versucht der Biologe, die Ausbreitung der Ameise daher auf einer Karte zu erfassen. Schwerpunkt ist Rostock, aber auch Schädlingsbekämpfer aus anderen Landesteilen sollen Proben einschicken. Zumal sich die Ameisen zum Beispiel über Blumentöpfe leicht weiter ausbreiten könnten.

Nach Rostock sei die sogenannte Vernachlässigte Ameise wohl schon zu DDR-Zeiten über die Gewächshäuser der Uni eingeschleppt worden, sagt Gloyna. Mittlerweile habe sie den Ortsteil Kröpeliner-Tor-Vorstadt auf sieben Hektar befallen – „und sie wird sich weiter ausbreiten“. Viele Unternehmen und Hauseigentümer seien seit Jahren Stammkunden bei Schädlingsbekämpfern, berichtet Gloyna.

Doch gegen die asiatischen Ameisen, die einheimische Arten verdrängen, kommen die Experten einfach nicht an. Die Besonderheit: Viele Königinnen bilden mit ihren Arbeiterinnen Superkolonien. Wird ein Haus gesäubert, dauert es nicht lange, bis die Lücke wieder geschlossen ist. „Das ist ein Kampf gegen Windmühlen“, sagt Schädlingsbekämpfer Mathias Conrad. „Wir haben zweimal im Jahr einen Schädlingsbekämpfer da, aber nicht mal eine Woche Ruhe“, bestätigt Ines Kriegisch, Leiterin einer Kita in dem betroffenen Ortsteil. Köder, ja sogar unterirdische Sperren, hätten nicht geholfen.

Eine Gesundheitsgefahr gehe von den Tierchen allerdings nicht aus, bestätigt auch Lagus-Experte Gloyna. Mal abgesehen von Phobien, die manche Menschen entwickeln könnten. Was die Häuser angeht, müsse man aber „von einer Wertminderung ausgehen“ – vor allem, weil sich die Ameisen eben nicht vertreiben ließen. Pflasterwege könnten absacken, Bäume sterben, da sich im Gefolge der Ameisen Blattläuse stark vermehren. Auch Kurzschlüsse können die Tiere, die sich gerne in Steckdosen festsetzen, auslösen.

Seit 2009 beobachtet Schädlingsbiologin Eva Scholl in Nürnberg, wie die „Vernachlässigte Ameise“ ein Mehrfamilienhaus in der Stadt im Griff hat. „Es gibt dort zehn Zentimeter breite Ameisenstraßen.“ Helfen könne nur „eine konzertierte Aktion“, sagt sie. Doch 80 Eigentümer konnten sich nicht einigen. „Da sind uns die Ameisen überlegen.“

Von Anne Kobarg

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