Kreuzfahrtschiffe

Aidastella drängt sich durch die Ems

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Foto: Abschiedsküsschen: Die „Aidastella“ macht sich für die Jungfernfahrt bereit.

Emden - Vor der Jungfernfahrt der neuen "Aidastella" durften treue Kreuzfahrtkunden das Schiff auf einem Kurztrip von Emden nach Hamburg testen.

Normalerweise sind die Wartenden am Zentralen Omnibusbahnhof in Emden nicht so braun gebrannt. Jedenfalls nicht Anfang März. Aber die fast zweihundert Menschen in hochwertigen schwarzen oder roten Hightechthermojacken, die sich hier auf Bussteig Eins drängen, sind keine normalen Wartenden. Es sind Kreuzfahrer. Und zwar leidenschaftliche. Für sie ist nach der Kreuzfahrt immer auch vor der Kreuzfahrt. Was bei ihnen Restbräune ist, schaffen andere im ganzen Sommer nicht. Sie werden die ersten Gäste auf einem funkelnagelneuen Schiff sein.

Entsprechend gelöst ist die Stimmung. Was aber auch an dem einen oder anderen Piccolo liegen mag, der hier in der Kälte konsumiert wurde.

Die Reederei Aida Cruises hat ein neues Schiff bauen lassen, deshalb sind die Braungebrannten hier. Am Emskai wartet die „Aidastella“, 253 Meter lang, 14 Stockwerke hoch, sieben Restaurants, zwölf Bars, 1097 Passagierkabinen. Es ist das vorerst letzte Schiff mit dem bekannten Kussmund, das die Rostocker Reederei bei der Meyer Werft in Papenburg in Auftrag gegeben hat. Am Sonnabend soll es in Hamburg getauft werden. Von Emden aus wurden in den letzten Tagen die üblichen Testfahrten in der Nordsee unternommen. Alles war in Ordnung; am Vormittag hat die Werft ihre Flagge vom Schiff abgenommen, und die Reederei hat ihre Flagge gehisst. Zwei Stunden später kommen die ersten Gäste an Bord. 1800 Passagiere sind es - und alle sind „Grüne“.

Die Reederei hat ihren Vielfahrern einen Namen gegeben. Wer in den vergangenen fünf Jahren mindestens 100 Tage mit einem Schiff der Aida-Flotte unterwegs war, gerät in die „Clubstufe Grün“. Andere Reedereien gewähren ihren treuesten Kunden Preisnachlässe, Aida spendiert den „Grünen“ stattdessen einen Kurztrip. Von Emden, wo das neue Schiff den letzten Feinschliff bekommen hat, geht es nach Hamburg. Vorbei an Borkum, Juist und den anderen Ostfriesischen Inseln. Als das Schiff Borkum passiert, sind dort Blitze zu sehen. Urlauber sitzen hinter Panoramascheiben beim Abendessen und versuchen die „Stella“ zu fotografieren. Man ahnt, wieso Kreuzfahrtschiffkapitäne manchmal sehr nah an Inseln vorbeifahren.

Das neue Schiff ist schön. Es riecht ganz neu. Die Teppiche strahlen und fühlen sich weich an. Der Spabereich ist auf Skandinavien getrimmt, helles Holz überall, ab und zu trifft man auf Birken, die täuschend echt aussehen. Die Restaurants sind wie auf den anderen Aida-Schiffen: Piazzaatmosphäre, Markisen, künstliches Laub.

Das Bier aus der schiffseigenen Brauerei schmeckt süffig. Am Ende des kleinen Ausflugs für AidaVerrückte läuft die „Stella“ das Hamburger Kreuzfahrtterminal an. Es ist sieben Uhr morgens, aber Kapitän Nico Berg kennt kein Erbarmen und lässt das Schiffstyphon ertönen. Neun Mal. Er darf das, denn er hat die Lizenz zum Dröhnen. Schließlich ist das hier der erste Einlauf eines neuen Mitgliedes der Aida-Familie in den Hamburger Hafen. Da darf man schon mal auf die Tute drücken.

Als Kapitän Berg das Schiff am Tag zuvor von der Werft übernommen hatte, hatten ihm die Werftleute einen Zündschlüssel geschenkt. Mit einem Fuchsschwanz dran. Das ist natürlich Quatsch, denn ein Schiff dieser Größe hat gar keinen Zündschlüssel, aber es geschah auf ausdrücklichen Wunsch des Kapitäns. Das hier ist nämlich schon seine zweite Schiffsübernahme.

Und bei der ersten hatte er sich - falls er noch mal die Ehre haben sollte - einen Schlüssel gewünscht. Das war vor sieben Jahren. Damals war er bei der Indienststellung der „Aidadiva“ dabei, dem ersten Schiff der sogenannten Sphinx-Klasse. Alle Schiffe dieser Reihe fallen durch das riesige Theater im Zentrum auf. Von außen sieht es aus, als hätte jemand eine gigantische Zitruspresse in das Schiff gerammt. Die „Stella“ ist das letzte von sieben Schiffen aus dieser Baureihe. Mit ihr geht eine Ära zu Ende.

Ihre nächsten beiden Schiffe lässt die Reederei auf der japanischen Mitsubishi-Werft bauen. Sie werden größer sein als die bekannten Aida-Schiffe. Sie werden umweltfreundlicher sein (man kann mit Flüssiggas fahren und einen Blasenteppich unter dem Schiff erzeugen, der den Treibstoffverbrauch um sieben Prozent reduzieren soll). Und sie werden exklusiver sein. Der Trend im Kreuzfahrtgeschäft geht zu mehr Platz, mehr Luxus und mehr Abgrenzung. So soll das neue Schiff ein „Patiodeck“ haben, auf dem man entspannt am Extrapool in der Sonne liegen kann. Für die Nutzung des Sonderdecks wird ein Aufpreis verlangt.

2015 soll das erste Modell fertig sein. Einen Namen hat das neue Mitglied der Aida-Familie noch nicht, aber schon ein Ziel. Am 22. März 2015 soll die neue Aida in Tokio zur Jungfernfahrt ablegen und über Schanghai, Goa, Dubai nach Hamburg fahren. 86 Tage. Die Aida-Enthusiasten im Publikum - und das sind viele - applaudieren heftig. Zu Beginn des Abendprogramms der Klubnacht (und vor dem Auftritt von Marianne Rosenberg) hat ein aufdringlicher Conférencier („Ist das geil?!?“, „Ist das geil!?!“) die Reise vorgestellt. Den Gästen wurde auch gleich die Möglichkeit gegeben, Reservierungen abzugeben.

Tatsächlich machten sich einige ältere Paare auf den Weg zu den Schaltern, um für 2015 zu buchen.

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