Neuer Shoppingtempel öffnet

Von Aldi bis Armani

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Foto: Das Kaufhaus Wertheim dient der neuen Mall of Berlin in Details und Größe als Vorbild.

Berlin - Am Freitag eröffnet die 1,2 Milliarden Euro teure Mall of Berlin. Sie knüpft an die Tradition des Kaufhauses Wertheim an.

Vor 100 Jahren wurde in Berlin-Reiseführern neben dem Reichstagsgebäude auch das Großkaufhaus Wertheim als Sehenswürdigkeit gepriesen. Das Wertheim war der größte Warentempel Europas und einer der prächtigsten der Welt. 108 000 Quadratmeter Verkaufsfläche und eine 330 Meter lange Schaufensterfront entlang der Leipziger Straße zogen Konsumentenmassen an. Um den Andrang zu lenken, wurde vor dem Wertheim Europas erste Verkehrsampel aufgestellt. Im Nationalsozialismus folgte die Enteignung der jüdischen Besitzer, 1944 zerstörten Bomben den Gebäudekomplex, der Ort verwandelte sich in den Todesstreifen.

Wo bis 1989 die Wall of Berlin aufragte, verknüpft nun die Mall of Berlin als moderne Konsumschneise Ost und West, die Friedrichstraße und den Potsdamer Platz. An die Wertheim-Tage erinnern historische Zitate: dunkles Holz, Messing, alte Fotografien. Das Angebot der ansonsten modern gestalteten Mall reicht von Aldi bis Armani. 270 Läden und 30 Restaurants sind in ein architektonisch abwechslungsreiches Ambiente aus Passagen und Atrien eingefügt.

Mit mehr als 100 000 Quadratmetern Verkaufsfläche erreiche das Einkaufszentrum die Größe des alten Wertheim, sagt Harald-Gerome Huth, der Projektentwickler. Eigentlich sollte der gigantische Komplex auf einer Fläche von etwa sechs Fußballfeldern bereits im Frühjahr eröffnen. Ähnlich wie beim Berliner Großflughafen BER gab es jedoch Probleme mit der Brandschutztechnik. Doch morgen wird nun die Eröffnung mit 10 000 geladenen Gästen gefeiert.

Die 270 Appartements und Penthäuser, die ebenfalls zu dem Komplex gehören, sind noch nicht ganz fertig. Auch ein Hotel und zusätzliche Shops in einem Erweiterungsbau werden erst in einigen Monaten eröffnen. Das Besondere am Leipziger Platz ist neben der Kombination von Shoppen und Wohnen der Ladenmix: Neben Ketten wie Peek & Cloppenburg oder Cos ziehen internationale High-End-Labels wie Lagerfeld oder Twin Set ein, die es in europäischen Einkaufszentren nur selten gibt. Markenzeichen der Anlage sind Durchblicke zum Bundesratsgebäude und zum Hotel Adlon sowie ein extravaganter Dachgarten mit einer Laufbahn für Fitnessbewusste. Das Investitionsvolumen beträgt rund 1,2 Milliarden Euro. Geldgeber der Mall of Berlin ist Arab Investment mit Sitz in London.

Multifunktionale Mall- und Entertainmentkomplexe kennt man bislang vor allem aus dem arabischen und fernöstlichen Raum. Die Dubai Mall umfasst neben 1200 Geschäften auf 350 000 Quadratmetern Verkaufsfläche auch eine Indoor-Eisbahn und einen Boeing-737-Flugsimulator. Jährlich kommen angeblich 75 Millionen Touristen in das klimatisierte Areal, mehr als der Eiffelturm, die Niagarafälle und Disney World zusammen erreichen. In Planung befindet sich die Mall of the World als weltgrößtes Shoppingzentrum, ebenfalls in Dubai: 743 000 Quadratmeter Verkaufsfläche, 100 Hotels, Appartements, ein Theaterbezirk und Wellnessareale sollen für den Urlaub in der Mall geschaffen werden. Die Planer rechnen mit 180 Millionen Touristen jährlich.

Ob Megamalls tatsächlich die Zukunft gehört, steht allerdings in den Sternen. Denn die größte Shoppingmall der Welt passt in die Hosentasche: Online-Shopping boomt gerade bei Jüngeren. Hinzu kommt: In den USA und Europa sind zahlreiche Shoppingmalls inzwischen Sanierungsfälle. Nach Angaben des German Council of Shopping Centers (GCSC) haben unter den 460 deutschen Einkaufszentren mit einer Gesamtfläche von 14,4 Millionen Quadratmetern 22 Malls akute Finanzprobleme. Eine der legendärsten Shopping Malls der USA wurde nach langem Leerstand vor zwei Jahren abgerissen: die Dixie Square Mall, Schauplatz einer legendären Verfolgungsjagd im Film „The Blues Brothers“.

Huth zerbricht sich über die Online-Konkurrenz nicht den Kopf. Es werde immer beides geben, Online- und Off- line-Shopping. „Schauen Sie sich Apple an. Das Unternehmen wickelt einen Großteil des Handels über das Internet ab. Dennoch gibt es zahlreiche Apple-Stores.“ Huth rechnet bei seinem Projekt „Leipziger 12 - Mall of Berlin“ mit täglich 70 000 bis 100 000 Besuchern.

Die Mall of Berlin eröffnet am 25. September, bis Sonnabend öffnen die Geschäfte von 10 bis 24 Uhr, am Sonntag von 15 bis 20 Uhr. Danach können Touristen und Berliner montags bis sonnabends von 10 bis 21 Uhr dort einkaufen.

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