Weihnachtspäckchen für Gefangene

Nur Alkohol ist tabu

+
Eine Mitarbeiterin der Evangelischen Kirche in Bremen packt Taschen mit Weihnachtsgeschenken für inhaftierte Frauen, Männer und Jugendliche.

Bremen - Mit Weihnachtspäckchen werden in vielen Justizvollzugsanstalten Gefangene überrascht. Damit wollen Bürgern den Menschen hinter Gittern eine weihnachtliche Freude machen. Der Inhalt der Päckchen wird vorher genauestens kontrolliert - Alkohol etwa ist verboten.

Lichterglanz, Tannengrün und prall gefüllte Gabentische - für viele inhaftierte Männer, Frauen und Jugendliche ist Weihnachten eine schwere Zeit. „Für die, die wirklich Heiligabend allein in der Zelle sitzen, ist es ganz schwer“, berichtet Diakon Richard Goritzka, der Gefängnisseelsorger in der Bremer Justizvollzugsanstalt ist. Seit Jahren gibt es in Bremen deshalb die ökumenische Weihnachtstüten-Aktion, bei der Bürger für Gefangene ein Geschenk packen können. Auch in diesem Jahr rechnet Goritzka mit etwa 200 Weihnachtstüten.

Seit 60 Jahren schickt auch die christliche Straffälligenhilfe Schwarzes Kreuz aus Celle Weihnachtspakete bundesweit an Menschen hinter Gittern. Jeder, der helfen will, kann sich ab November bis spätestens 13. Dezember beim Schwarzen Kreuz melden. Man bekommt eine Kontaktadresse und genaue Angaben, was in das Weihnachtspäckchen darf. „Das ist überall anders und nicht mal in einem Bundesland gleich“, sagt der Geschäftsführer der gemeinnützigen Organisation, Otfried Junk. Um die 600 Pakete werden es diesmal sein. 70 davon sollen an niedersächsische Gefängnisse gehen.

In Bremen verteilt Pastor Goritzka gemeinsam mit seinem evangelischen Kollegen Peter Arenz kurz vor Heiligabend die Überraschungstüten. Ausgewählt werden bedürftige Gefangene, die zum Beispiel keine Angehörigen mehr haben. „Nicht ohne vorher den Inhalt kontrolliert zu haben“, sagt Goritzka. Der ist genau vorgeschrieben. „Alkohol ist verboten, darf auch nicht in Süßigkeiten enthalten sein.“ Kaffee, Tee, Zucker, Schokolade, Lebkuchenherzen, Marzipanbrot und eine Grußkarte, so lautet die Empfehlung. Auch Tabak gehört nicht hinein. „Die Nachfrage nach Tabak ist so groß, da kann man nicht dem einen etwas geben und dem anderen nicht“, erklärt der Seelsorger.

Nach Angaben des Landesjustizministeriums ist es in Niedersachsens Anstalten generell eine gute Tradition, Gefangenen zum Weihnachtsfest kleine Aufmerksamkeiten zu überreichen. Die Initiative dazu geht meistens von der evangelischen und katholischen Seelsorge aus. So seien für die Insassen der JVA Sehnde mehrere Kirchengemeinden aus der Region Hannover aktiv, die rund 30 Weihnachtspäckchen packen, sagt ein Sprecher des Ministeriums.

Die Freude bei den Gefangenen ist groß. „Manche sind total überrascht, weil sie so etwas gar nicht kennen“, sagt Goritzka. Einmal habe eine Schulklasse eine Tüte gepackt und eine Karte mit allen Unterschriften der Kinder beigelegt. „Das berührt in besonderer Weise.“ Auch Junk weiß, wie sehr sich Gefangene über diese Gaben freuen. Einer habe geschrieben, das Paket sei „das Schönste, was ich hier in meiner ganzen Haftzeit erlebt habe“.

Doch nicht nur die Insassen, auch die Helfer seien berührt, meint Junk: „Man packt ein Päckchen und überlegt, womit man dem Gefangenen eine Freude machen kann.“ Für Goritzka ist die Weihnachtstüte auch symbolhaft: „Wir schlagen eine Brücke von drinnen nach draußen.“

dpa/sag

Kommentare