Goslars OB fordert gemeinsamen Landkreis

Alle unter einem Dach

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Foto: Reformer aus Goslar: Oberbürgermeister Oliver Junk.

Goslar - Ungewöhnlicher Vorschlag, aber wahr: Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk fordert einen gemeinsamen Landkreis – egal, in welchem Bundesland.

Der Vorschlag klingt ungewöhnlich, und eigentlich hatte Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk mit geschlossener Ablehnung gerechnet. Aber er hört durchaus Zustimmung. Der aus dem Süden zugewanderte OB mit CSU-Parteibuch schlägt vor, den gesamten Harz in einem einzigen Landkreis zusammenzufassen – Goslar im Nordwesten, Wernigerode im Nordosten, Nordhausen im Südosten. Zwei Bundesländer müssten etwas abgeben, damit eines den neuen Kreis bekommt.

Aus Sicht von Junk sollte dieser Kreis zu Niedersachsen gehören, denkbar sei auch die Anbindung an Sachsen-Anhalt, unwahrscheinlich die an Thüringen. Auf jeden Fall will Junk nicht lockerlassen. Für Ende März hat er führende Kommunalpolitiker zum Meinungsaustausch in den Kurort Hahnenklee eingeladen.

Bereits am morgigen Dienstag wird Junks Idee auch ein Treffen der beiden Landesregierungen von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt in Helmstedt beschäftigen. Offiziell will zwar in den Staatskanzleien von Hannover und Magdeburg niemand mit Separatisten verhandeln. Zugleich aber verlautet, es sei „unvorstellbar“, dass im internen Gespräch der beiden Regierungen der Vorschlag von Junk nicht erörtert wird.

Probleme gibt es derzeit in der Tat genug – und die Überlegung aus Goslar wäre ein Lösungsweg. Seit vielen Jahren gilt die Zusammenarbeit von Ost und West im gemeinsamen Nationalpark Harz als verbesserungsbedürftig.

Tourismus und Infrastruktur, klagt Junk, passen nicht überall optimal zusammen. Eine Vernetzung der Skigebiete in Schierke und Braunlage etwa liege nah, sei aber noch nicht zufriedenstellend geregelt. Die Harzer Schmalspurbahn könne auch nach Westen erweitert werden, aber eine Anbindung von Braunlage steht bisher in den Sternen, für das 30 Millionen Euro teure Projekt fehlt beiden Landesregierungen das Geld. Im Übrigen habe der Oberbürgermeister von Wernigerode, der größten Harzstadt in Sachsen-Anhalt, schon positiv auf seinen Vorschlag reagiert.

Junk betont, allein fünf Unternehmen hätten in den vergangenen Jahren den Kreis Goslar Richtung Osten verlassen, weil dort Ansiedlungen stärker gefördert werden. Die Region müsse besser und enger zusammenwirken – und das gehe am besten in einem gemeinsamen Landkreis. Doch in Hannover würden alle Fragen rund um eine Gebietsreform von Rot-Grün mit spitzen Fingern angefasst.

Die Erklärung, mit der Einstimmenmehrheit im Landtag nichts bewirken zu können, klinge wie eine schlechte Ausrede, sagt Junk: „Es kann jedenfalls nicht sein, dass man immer die umständlichen Wege über drei Landeshauptstädte in Hannover, Magdeburg und Erfurt suchen muss, wenn man für den Harz Fortschritte erreichen will.“

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