Bußgelder am Ballermann

Alles im Eimer!

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Foto: Neue Benimmregeln sorgen für gedrückte Stimmung am Ballermann.

Palma - Mallorcas Behörden machen Ernst: Inzwischen werden Bußgelder kassiert, wenn gegen neue "Benimmregeln" verstoßen wird. Damit sollen Saufgelage oder Pinkeln in der Öffentlichkeit unterbunden werden.

Im 17. deutschen Bundesland herrscht Hochsaison: Allein im Juni kamen mehr als drei Millionen Menschen am Flughafen in Palma an – mehr denn je. Aber die Partylaune auf Mallorca bekommt zurzeit empfindliche Dämpfer. Die neuen Benimmregeln am Ballermann sorgen inzwischen für einigen Unmut bei Gästen und Gastronomen. Zumal richtig schlechtes Benehmen offenbar ein paar Kilometer weiter westlich stattfindet: Die britische Partyhochburg Magaluf genießt derzeit zweifelhafte Berühmtheit als Ort, an dem nichts unmöglich scheint. In einem YouTube-Video ist zu sehen, wie eine 23-jährige Irin knapp zwei Dutzend männlichen Kneipengästen oral befriedigt – als Gegenleistung für Gratisgetränke.

Die aufgeschreckte Inselregierung beschloss sogleich, in Großbritannien eine Informationskampagne zu gutem und schlechtem Benehmen zu starten, das Problem gleichsam an der Wurzel zu packen. Die Durchschlagskraft dieser Idee darf indes bezweifelt werden: Seit der Veröffentlichung des Skandalfilmchens sollen die Buchungszahlen für Magaluf sprunghaft angestiegen sein. Zudem sind die mallorquinischen Behörden bekannt dafür, großen Worten nicht unbedingt ebensolche Taten folgen zu lassen. Die in diesem Sommer verhängten Gebote für einen sauberen Ballermann werden offenbar nur sporadisch kontrolliert.

Zum Unmut des Verbandes zur Förderung des Tourismus: „Das ist ein Unding“, schimpft Verbandspräsident Eduardo Gamero Mir. Sicher gebe es Probleme. „Wir hatten aber schon vorher genug Gesetze, für deren Einhaltung man aber nicht gesorgt hat“, sagt der 71-Jährige.

Bei den Benimmregeln handelt es sich um einen langen Strafenkatalog, der Geldbußen zwischen 50 und 400 Euro für etwa 120 verbotene Handlungen vorsieht: etwa Saufgelage unter freiem Himmel, öffentliches Pinkeln und Spucken, ruhestörenden Lärm, Stadtbummel in Badebekleidung sowie das Ansprechen von Straßenprostituierten.

Bis zu 60 Beamte patrouillieren auf einem Abschnitt an der Playa de Palma in der Gegend des Ballermann genannten Strandabschnitts 6. „Heute waren sie wieder mit Autos direkt auf der Promenade unterwegs“, sagt Oliver Lipp. Der Betreiber der Ballermann-Party-Website „Mallebz.de“ hat allerdings beobachtet, dass es die Beamten weniger auf trinkende Touristen als vielmehr auf fliegende Händler am Strand abgesehen haben. „Aber als Spanien bei der WM rausgeflogen war, hatten sie wohl schlechte Laune und haben auch fürs Saufen Bußgelder verhängt“, erzählt Lipp.

Den Verdacht, dass neue Verbote nicht automatisch neue Verhältnisse zur Folge haben, hat auch Stadträtin Neus Truyol von der ökologisch-nationalistischen Partei Més per Palma. „Die Benimmregeln bedeuten Konfusion und Willkür“, sagt sie und spricht von einer „Reise zurück in die Franco-Diktatur“.

In Magaluf kann davon zurzeit noch keine Rede sein. In die Hochhausschluchten im Westen der Insel hat sich laut „Mallorca Zeitung“ seit 2011 bescheidene vier Mal ein Inspektor des Tourismusministeriums verirrt.

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