Cuxhaven

Altbürgermeister lag tot in seiner Wohnung

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Foto: Der ehemalige Bürgermeister von Cuxhaven: Klaus Fossgreen.

Ovelgönne - Lange stand die Polizei im Kreis Wesermarsch vor einem Rätsel. Wo steckt Klaus Fossgreen, der frühere Erste Bürgermeister Cuxhavens? Seit 2012 schon wurde der damals 78 Jahre alte Mann an seinem Alterssitz in Ovelgönne nicht mehr gesehen. Jetzt ist der Vermisstenfall gelöst: Der pensionierte Fregattenkapitän ist tot.

Als Polizeibeamte vergangene Woche die Tür seines abgelegenen Hauses im Ovelgönner Ortsteil Strückhausen aufbrachen, fanden sie seine Leiche. Die Obduktion ergab laut Polizei, „dass der Vermisste bereits vor längerer Zeit verstorben ist“.

Das wirft neue Fragen auf: Wie lange schon lebt Fossgreen nicht mehr, und wer wusste vom Tod des langjährigen Bürgermeisters? Warum hat niemand etwas davon erfahren? Immerhin war der Mann in der Region an der Küste bekannt: Der frühere SPD-Politiker war von 1986 bis 1991 Stellvertreter des damaligen Oberbürgermeisters Albrecht Harten (CDU), saß im Stadtrat von Cuxhaven und im Kreistag, war nach einem Zerwürfnis mit der SPD kurzzeitig Landesvorsitzender der Statt Partei und wurde für sein politisches Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Es gibt laut Polizei keine Hinweise, dass er gewaltsam zu Tode gekommen ist, und dennoch wird ermittelt. Es geht um Betrug, wie der Oldenburger Staatsanwalt Martin Rüppell am Montag erklärte. „Es wurden weiter seine Altersbezüge gezahlt, obwohl sich schon vor einiger Zeit die Hinweise verdichteten, dass er nicht mehr lebt.“

Damit rückt die Witwe in den Blickpunkt. Bereits im vergangenen Dezember, damals kaum beachtet, berichtete die Polizei in Brake von einem „mysteriösen Vermisstenfall in Ovelgönne“. Den Beamten war „von mehreren Seiten“ gemeldet worden, dass ein Mann schon eine Weile nicht mehr gesehen worden war. Sie fragten im näheren Umfeld nach, ob es möglicherweise eine Erklärung für das Verschwinden geben könnte, doch „es konnte niemand helfen“.

Seltsam war damals nicht nur das offenbar schon länger zurückliegende Verschwinden Fossgreens, sondern auch das Verhalten der Ehefrau, die nach Informationen der HAZ inzwischen in Bremerhaven lebt. Sie habe „seltsamerweise keinerlei Verständnis“ gezeigt, die Angelegenheit zu klären, wie ein Ermittler sagte, „verwehrte jede Art von sonstiger Kooperation und verstrickte sich in Widersprüche“. Weil die Beamten damals nicht sicher klären konnten, ob sich Fossgreen in Gefahr befindet, wurde die Ehefrau ins Kommissariat nach Brake vorgeladen. Mangels Haftgründen wurde sie aber wieder nach Hause geschickt. Gefahr im Verzug sahen die Beamten damals nicht, darum konnten sie auch Fossgreens Wohnung nicht öffnen.

Inzwischen gilt die 65-Jährige als Verdächtige im Betrugsermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Oldenburg, wie Rüppell bestätigt. Die Polizei in Brake fand später offenbar Anzeichen, dass Fossgreen womöglich nicht mehr am Leben ist, während die Pension aber weiter auf sein Konto überwiesen wurde. Sie schaltete die Staatsanwaltschaft ein. Die beantragte einen Durchsuchungsbeschluss für das Haus, in dem die Leiche letztendlich gefunden wurde. Die Witwe hat nach Informationen der HAZ im Februar einen Wohnsitz in Bremerhaven angemeldet – offenbar verspätet, denn in Ovelgönne lebt die Frau längst nicht mehr.

Eine weitere Frage lautet: Wie kann das Verschwinden eines Mannes in einem kleinen Ort wie Ovelgönne so lange unentdeckt bleiben, auch wenn das Haus abgelegen liegt? Bürgermeister Christoph Hartz hofft auf schnelle Aufklärung, „damit die Bevölkerung erfährt, wie es gewesen ist“. Der Fall sorge für Verunsicherung im Ort.

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